Der alte Commodore. 205⁵
und Sturz ihres Sohnes und das Zuſammenſchlagen der dunkeln Wellen über demſelben ſchilderte, ſchauderte die Königin zuſammen und ſagte:»Kann ſo Schreck⸗ liches ſich wirklich zugetragen haben?« und als die un⸗ glückliche Mutter fortfahren wollte, ſagte die Königin theilnehmend zu ihr:»Halten Sie inne, der König muß dieß ebenfalls hören,« und zog ſich zurück.
Nach kurzer Friſt ward Lady Aſtell in des Privat⸗ kabinet des Monarchen beſchieden, wo ſie im Beiſein der Koͤnigin Seiner Majeſtät ihre traurige Geſchichte wiederholte, und damit ſchloß, das ſie den letztan Brief des verzweifelten Auguſtus vorzeigte. Wo die Seele von den erhabenſten Regungen erfüllt iſt, würde der als ein elender Schriftler erſcheinen, der die Wirkung ihres Ausdruckes dadurch ſchwächen wollte, daß er Ei⸗ genheiten der Rede oder der Geberde beſchriebe.
Seine Majeſtät ſaß neben der ſo neuerdings und ſo ſchauerlich kinderlos gemachten Wittwe, und hielt de⸗ ren Hand mit aller Theilnahme eines Freundes. Mit ehrenvoller Wärme verſuchte er jeden Troſtgrund bei ihr, die nicht getröſtet ſein wollte. Er ſagte der Lady, daß er herzlich wünſchte, der Dienſt möchte überhaupt der Barbarei des Auspeitſchens ledig werden; daß ſie bedenken müßte, wie dieſe Strafmethode jederzeit auf der Flotte üblich geweſen, die Schmach und Unehre des Auspeitſchens aber nicht auf Seiten des Beſtraften, ſondern auf Seiten deſſen wäre, der unrechtmaͤßig ſolche demüthigende Züchtigung verhängte. Er fügte hinzu,
daß er die Muter in ihr von ganzem Herzen bemitlei⸗
dete, und fragte ſie zuletzt, was er für ſie thun
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