Der alte Commodore. 13
ſchung von Rum und Waſſer trinkt, kniet Miß Rebekka hinter ihm. Ihr weißes Muſſelinkleidchen wird faſt ganz voneinem braunlinnenen Ueberwurf oder ſoge⸗ nannten Peöckchen bedeckt, und ihr reiches, glänzendes, kaſtanienbraunes Haar fällt ihr in üppiger Fülle über Nacken und Schultern. Unbemerkt von dem Commo⸗ dore, welcher raucht— von Mr. Underdown, welcher ſchreibt— und von ihrer Tante Mathilde, welche eine Perlenarbeit vorgenommen hatte,— hat ſie ihre ſchlanke, uneingezwängte Geſtalt des langen und breiten rothen Leibgürtels beraubt, und giebt ſich alle erſinnliche Mühe, denſelben in eine Art von Zaum und Gebiß für den großen, zur Zeit eben nicht friedlich geſinnt ausſehen⸗ den, bunten Hauskater zu verwandeln. Was ſoll's ge⸗ ben? Rauche nur fort, alter Commodore; freundlich verbirgt das Geſchick Dir das kommende Leid, von dem Dein ganzes Weſen erſchüttert werden ſoll.
Ich bin ein getreuer Erzähler, und darf alſo das Weitere nicht verſchweigen. Die gottloſe Rebekka ſchleicht zu dem mürriſchen und raſtlos ſcheltenden Pa⸗ pagei ihrer Tante, der in ſeinem ſchwerfälligen vergol⸗ deten Käfig ſitzt, und befeſtigt deſſen kuppelförmiges Dach an das andere Ende ihres Gürtels und mittelſt deſſen an den Kater, wie arg der befiederte Zweifüßler auch»Bös Bekky! Bös Bekky!« ſchreit. Die Ope⸗ ration iſt gelungen. Jetzt giebt Rebekka dem Kater ei⸗ nen hinterliſtigen Schlag mit der Krücke ihres Vaters, 4 ndem ſie dazu ausruft:»Hab''ne Morgenſpazierfahrt, Pollchen!« und vorwärts brauſen Kater, Papchen und Käfig, gerade hin über das gichtgeſchwollene Glied des gequälten Commodore, wobei die Klauen des zornig gemachten Graupelzes durch alle Umwickelungen des
Beines hindurchdringen.


