auch nicht ein einziges Mal tragen laſſen, vielmehr
218 Die Büßung, oder
gens abzureiſen wünſchte, ichwand ihr jeglicher Wunſch längeren Bleibens.
„Mit Tagesanbruch war Alles geſchäftig zur Reiſe. Diego's junger Sohn, ein anmuthiger Sechszehnjähri⸗ ger, war eitel Aufmerkſamkeit gegen meine Schwe⸗ ſter. Jugurtha war der Einzige, der keine Freude an der Reiſe hatte. Anfänglich wollte er Alles mit⸗ nehmen, und ungeachtet ſeiner Liebe und Hochachtung zu Honoria und mir ſchienen ſeine vorwurfsvollen Blicke uns zu ſagen:»Warum Euch Fremden vertrauen, ſo lange noch Jugurtha lebt? warum dieſen Ort des Frie⸗ dens verlaſſen und Euch unter die Obhut und Aufſicht Anderer begeben?« Zu dreien Malen fürchtete ich ei⸗ nen Hader zwiſchen dem Neger und dem Sohne Diego's, denn die pagenartige Aufmerkſamkeit des Letzteren war meinem ſchwarzen Freunde nichts weniger als angenehm.
Wir nahmen nichts mit uns als unſere verſchiede⸗ nen Kleidungsſtücke und reichlichen Mundvorrath. Die
prinzlichen Schultern ächzten unter Honoriens Kleider⸗
vorrathe. So begannen wir unſere Reiſe. Um dem Neger die Hochachtung Aller zu erringen, ſprach ich fortwährend mit ihm, fragte ihn um Rath, und ließ ihn durch ſeine Fingerſprache antworten, und auch Ho⸗ noria erwies ihm große Aufmerkſamkeit; dennoch ver⸗ mochte dieß Alles kaum dem ehrlichen Neger deſſen früheren Gleichmuth zurückzugeben.)
Als wir zur Nachtruhe aͤnhielten, ward eine beſon⸗ dere Lagerſtätte für Honoria bereitet, und ungeachtet aller meiner Gegenvorſtellungen Wache unfern derſelben gehalten, in der der Sohn Diego's die Hauptrolle ſpielte.
Honoria wollke ſich während der Reiſe, die ziemlich raſch und ohne alle Unterbrechung von Statten ging,


