200 Die Büßung, oder
dert. Inzwiſchen laß für ein Weilchen von ihr ab— erhebe Dich!«
Ich gehorchte und ſchwebte augenblicklich durch einen faſt grenzenloſen Raum hin, langte endlich an, und knieete vor dem Throne der guten Gaben. In dieſem Augen⸗ blicke ſchauete Iſidora mich mit einer aus Zweifel und Beſorgniß gemiſchten Innigkeit an.
Zitternd flehete ich um das, was nur zu denken, ſchon ein Verbrechen war.
Mich ſchauderte, als ich meine gottloſe Bitte aus⸗ geſprochen hatte. Als ich mich wendete, um den mich begleitenden Geiſt anzublicken, fand ich Iſidorens wun⸗ derſchönes Autlitz von Jammer getrübt und in Zähren gebadet. Ihr Auge ſenkte bitteren Vorwurf auf mich herab, daß mein Herz ſich mit Wehmuth erfüllte. Nicht lange jedoch ward mir geſtattet, ihre Bekümmerniß an⸗ zuſchauen. Indem ich nicht wußte, ob meine unheiligen Bitten gewährt waren, ward ich wider Willen vor den Thron des Gerichts getrieben, und nun begannen die Martern meiner Viſion.— Alles was Schreckliches geſehen und gehört werden kann, drang mit Einemmale auf mich ein. Zangen lebendiger Flammen, die von kei⸗ ner Hand gelenkt wurden, brannten auf meiner Stirn das Fürchterliche— das ich nicht niederſchreiben werde. Mein tauſendfach empfänglicherer Körper, als meine ir⸗ diſche Hülle es geweſen war, fühlte ſich, obwohl er ganz blieb, wie in Stücke zertheilt— jeder zuckende Nerv war ein geſondertes, lebendes, furchtbar gequältes We⸗ ſen. Dieſes körperliche Weh aber, war nichts gegen mein geiſtiges Leid. Die eiſigſte Furcht, das entſetz⸗ lichſte Bangen packten mich; Verzweiflung heulte ih⸗ ren bitterſten Fluch gegen mich aus, der da ewig— ewig— ewig währen ſollte.n Wie vom Donner gerührt


