Die Büßung, oder Kirche treffen hier nicht zuſammen; wem willſt Du an⸗ hangen?« 4
»Du erforſcheſt mein Herz, Bruder! Kann ich mich da noch beſinnen? Ich habe nicht geſündigt.« 3
» Umarme mich, theure Schweſter!« ſagte ich.»Jetzt wirſt Du nicht mehr, wie bisher, Anſtand nehmen, mit Deinem ketzeriſchen Bruder zu beten. Fortan werden
wir einander werther noch, als jemals, ſein, und doch
wird keines von uns dadurch ſeinem Glauben abtrünnig gemacht werden können. Von jetzt an werden unſere Gemüther in reinerem Einklange ſtehen; ich kann jetzt frei und ungezwungen mit Dir reden; laß uns jeden Gedanken, jede Herzensregung mit einander theilen!«
⸗ Wie Bruder und Schweſter es thun ſollten.«
»Gewiß, Honoria; wie Bruder und Schweſter es ſollten! Du ſprichſt richtig; welches Band könnte in⸗ niger und heiliger ſein?— Mir ſcheint, als ob alles Lebende außer uns jetzt für uns in Vergeſſenheit ge⸗ ſenkt würde; denn wo wir uns zeigen mögen, wirft der Tod Alles ſiegreich danieder. Du fürchteſt Dich jetzt nicht mehr, in Gemeinſchaft mit mir zu beten, ſo laß uns den Himmel ſchweigend anflehen, Honoria, daß der gute, rechtſchaffene Mann, der uns ſo freundlich auf⸗ nahm und verpflegt, nicht dem böſen Geſchick verfalle, das ſich ſo verhängnißvoll an meine Gegenwart gefeſſelt zeigt.«
„Iſt das nicht Aberglaube, Ardent? Dennoch zeigt er ſich in frommer, edelmüthiger Geſtalt, und alſo will ich ihn theilen.« 3
Ungern verweile ſch lange bei heiligen Gegenſtän⸗ den; indeſſen hochgeſpannte Gefühle müſſen jederzeit entweder zur Verzweiflung oder zur Religion führen,


