176 Die Büßung, oder
Amerikaner ſchneller ſegelte, näherte er ſich immer mehr der Santa Ana. Wir waren bereits nahe genug, um aurufen zu können, als der Spanier eine Kanone ab⸗
feuerte. Aengſtlich horchten wir Alle nach dem Kra⸗
chen unſrer Maſten und Bugplanken, denn wir glaub⸗ ten gewiß zu ſein, der Schuß habe aus ſo geringer Ent⸗ fernung uns treffen müſſen. Doch war dieß nicht ge⸗ ſchehen; als aber der Pulverdampf verflog, wieß ſich unſeren Blicken ein Gegenſtand des Entſetzens. An der Raaſtange der Santa Ana“ hing der hübſche Knabe in den Kleidern meiner Schweſter— mir ſchwindelte, mir wollte das Herz brechen! Der lange ſchwarze Schleier, den der Wind ihm vor'm Geſichte wegwehte, daß er weit hinausflatterte, zeigte des ſchuldloſen Jungen ver⸗ zerrte Mienen, und ließ uns die hervorgetretenen Aug⸗
äpfel deſſelben erblicken, die wie mit einem Blicke des
Vorwurfs auf unſere Verdecke ſtierten. »Für mich! für mich!« kreiſchte Honoria, und ward
ohnmächtig. Obſchon ſelbſt bis zum Tode gemartert,
raffte ich doch aus Gründen der Klugheit meine Schwe⸗ ſter auf und trug ſie in die Kajüte, verließ ſie auch
nicht eher, als bis ſie ſich erholt hatte, und ich ſie hier⸗
auf in einen todtenähnlichen Schlaf verſunken ſah. Dieſe abſcheuliche Schauſtellung ohnmächtiger Rache
ließ die ſchlichtherzigen Boſtoner ein lautes Geheul der
Verwünſchung ausſtoßen, welches jeder Matroſe, der ein Piſtol oder Gewehr führte, mit dem Verſenden ei⸗ ner Kugel begleitete. Dieſer winzige, nichtsſagende An⸗
griff ſchien jedoch nicht den geringſten Eindruck zu ma⸗
chen. Die Santa Ana“ ſetzte ihre Fahrt fort, wäh⸗ rend der Leichnam des beklagenswerthen Jünglings an
der Raaſtange vor'm Winde hin⸗ und herbaumelte. Ka⸗
pitän Darkins gebrauchte nun eine andere Waffe, die
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