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30 Die Büßung, oder
ich Sie verſtehen könnte,« entgegnete mir Don Juliano; „»dennoch hat meine Iſidora etliche düſtere ſchreckliche Andeutungen ausgeſeufzt; aber deſſenungeachtet«— dabei faßte er meinen Arm und drückte ihn heftig— „deſſenungeachtet ſoll ſie mich heirathen!«
„Wer bezweifelte das?«.
„»Ich— ſie ſelbſt— der Prieſter—«
»Ha! dieſe Prieſter! Sagen Sie mir nicht, was Prieſter ſagen! Was ſagt Ihr eigenes Herz?2«
»Mein Herz will nicht befragt ſein; die Angele⸗ genheit iſt fürchterlich vor den Richterſtuhl meiner Ver⸗ nunft gebracht worden. Glauben Sie an die Verhei⸗ ßung zukünftigen Belohnens und Beſtrafens?«
»Unerſchütterlich. Nur die, welche Strafe fürchten, ſtellen ſich, als verlengneten ſie dieſen Glauben.«
»Dennoch bitte ich Sie, verachten Sie mich nicht; denn wahrlich, bevor ich mein trugvolles Herz erforſchte, hielt ich mich für religiöſer, als Sie. Ich war gewiſ⸗ ſenhaft in Beachtung meiner kirchlichen Gebräuche, ich betete oft und beichtete regelmäßig; allein ein Vorfall, ein kleiner Vorfall, der mir während unſeres kurzen Aufenthalts zu Barcelona kund ward, hat all meine Zuverſicht in die göttliche Gerechtigkeit erſchüttert.«
» Es thut mir in der Seele weh, dieß zu hören,«⸗ verſetzte ich—»und jener Vorfall?«
»Sie haben wohl nie von dem frommen Pater Pa⸗ ver gehört? Der Mann war ein Heiliger auf Erden; fündelos, tadellos, demüthig vor Gott und mild mit den Menſchen. Er wies ſich nur ſtolz gegen den Be⸗ drücker, nur finſter gegen den reueloſen Uebelthäter. Dieſer Mann, Freund Ardent, predigte das Evange⸗ lium, doch that er dieß mehr in Werken als in Worten; und von ihm mochte mit Wahrheit geſagt werden, daß,


