176 Die Büßung, oder
nes Vaters behutſamen Abmahnungen entgegnete ich Folgendes:
»Ich will mir nicht die Entſcheidung anmaßen, welcher von beiden der edlere Charakter iſt; ob der, welcher, ſeiner eigenen geiſtigen Kraft mißtrauend, der Verſuchung, und dadurch dem Zorne des Ewigen, ent⸗ fliehet, oder der, welcher kühn der Verlockung entgegen⸗ tritt, mit ihr ringt und ſie beſiegt, oder aber, unterlie⸗ gend im Kampfe, den fürchterlichen, ewigwährenden Fluch ſeiner Vermeſſenheit auf ſein Haupt ladet; allein inbrünſtig, erbarmensvoll und herzerſchütternd iſt der von unſerm Erlöſer uns in den Mund gelegte Gebets⸗
ruf:„Führe uns nicht in Verſuchung!“ Nur Gott,
der des Menſchen Schwäche kennt, konnte uns ſolches Flehen in den Mund legen. Ich habe zeither den Rin⸗ ger gegen die Zauberverlockung der Sände abgegeben; fürchterlich, o fürchterlich, mein Vater, leide ich in die⸗ ſem Kampfe. Ich will nicht länger anmaßend den Helden ſpielen; ich bekenne meine Schwäche; aber ich will mich nicht zum Gefangenen machen laſſen— ich will entfliehen.« 8 »Wahrlich, Ardent,« ſagte der beſonnene alte Mann, »Du ſprichſt in Ueberſpannung. Vor welcher Sünde, welcher Verlockung willſt Du fliehen? Befindeſt Du Dich nicht im Schooße einer tugendhaften Familie, die Dich liebt, Dich beinahe vergöttert? Hier wird nim⸗ mer Verbrechen noch Schande Zutritt finden können. Wer ſtrebt hier gegen Deinen Seelenfrieden? Was argwöhnſt Du hier? Fürwahr, mein Sohn, mußt Du
vor den Thorheiten einer Welt fliehen, der wir am
Ende viel zu verdanken haben, ſo ſuche Zuflucht, Ardent, bei unſerer überſtrömenden Liebe.« Mich ſchauderte. Während dieſes kurzen Geſpräches


