174 Die Büßung, oder
ſeine Schreckniſſe über mein Gemüth hin; in meiner Angſt begann ich zu weinen, und gottlos rief ich aus: »Es giebt keine Freude im Rechtthun!« und ſo war Rechtſchaffenheit nicht mehr mein Antheil!
»Welche Krankheit habe ich, und wie iſt ihre Be⸗ ſchaffenheit?« rief ich eines Abends mit Heftigkeit. »Ich habe mich ſelbſt bezwungen, und dennoch iſt mein Herz gegen mich empört.« Ich will es nicht ausmalen, wie es in mir immer duüſterer und düſterer ward. Wie trauerten mein Vater, meine Mutter, meine Schwe⸗ ſter— o dieſe Schweſter!— über meine abnehmende Geſundheit! Endlich drängte ſich mir die Ueberzeu⸗ gung auf, meine Natur wäre ſo durchaus ſündhaft, daß Pflicht gegen die menſchliche Geſellſchaft von mir heiſchte, mich in ewige Einſamkeit zu vermauern. Durchdrungen von dieſem Gedanken, erklärte ich we⸗ nige Tage vor unſerer feſtgeſetzten Abreiſe meinem Va⸗ ter, wie ich mich gänzlich untüchtig für die Welt fühlte, daß ich beabſichtigte, meine Religion zu än⸗ dern, und ſofort mein Noviciat als Mönch anzutre⸗ ten. Wir befanden uns bei dem Frühſtück, als ich die⸗ ſen unvernünftigen Entſchluß lautwerden ließ. Natür⸗ lich erſtaunte Jeder darüber, doch ward meine Eröff⸗ nung von den Anweſenden ſehr verſchiedenartig aufge⸗ nommen. Die Frömmelei des Landes in allen Reli⸗ gionsangelegenheiten war ſo groß, daß, obſchon man um politiſcher Freiheit willen einander bis in den Tod be⸗ kämpfte, man dennoch ſich in der Prieſter Feſſeln nicht nur noch feſter ſchnürte, ſondern ſie als beſten Schmuck nur noch ſtolzer mit ſich umhertrug.
Meines Vaters Bekümmerniß war groß, doch wagte er nicht, dieſelbe in all' dem Unwillen zu äußern, der, wie ich deutlich ſah, in ihm aufgeſtiegen war. Meine


