Ardent Troughton. 145
Schweizer mich augenblicklich aus der Proceſſtonsreihe herausriſſen.
Allein nichts Zärtliches, nichts Tröſtliches lag in dem Blicke dieſer Nachahmung der Göttlichkeit. Ich konnte in ihren Augen nur ein ſchauererregendes tiefes Nachſinnen, ein Gefühl des Verwunderns und einer Schrecken erzeugenden Neugier wahrnehmen. Ehe ich wieder in ihre Nähe gelangen konnte, brach der Lobge⸗ ſang wieder aus, die Weihrauchwolken wallten von Neuem empor, das Altarbild hüllte ſich in Dunſtglorie, und durch dieſen hinweggeführt, verſchwand die Ver⸗ bildlichung der heiligen Mutter. 3
Meine hinſtarrenden Augen hafteten an ihr his zum letzten Momente, und als der letzte faltenreiche Vorhang, den ich matt durch den Dampf ſchimmern ſah, ſich hinter der Erſcheinung ſeukte, kniete ich an dem Altargitter, begrub das Geſicht in meine Hände, ſchus die Augen, und ermuthigte meine Seele, bei jedem Ge⸗ ſichtszuge zu verweilen, den ich ſo eben mit ſo wonni⸗ gem Entzücken betrachtet hatte.
Die Orgel verklang ſich in melodiſchen Tönen. Pro⸗ ceſſion und Volksgewühl zogen ſich nach und nach zu⸗ rück; endlich entwichen auch einzeln die vielen Prieſter — ich aber achtete all deſſen nicht, und wußte auch nicht, daß ich allein war.
So in mich gekehrt, und immer noch in der näm⸗ lichen Stellung, begann ich, meiner Seele Fragen zur Beantwortung vorzulegen; doch war dieſelbe viel zu verwirrt dazu.»Kann dieß Liebe ſein? Kann Liebe ſo plötzlich entſtehen? War dieſe Erſcheinung wirklich ein lebendes Weſen? Ich kenne ſie genau— ich habe mit ihr Geſpräche geführt, ſie bewacht, mit ihr gebetet, mich mit ihr gefreuet— aber wo? Entweder,« ſprach ich
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