Die Büßung, oder
betung und die Liebe des mit ihr zugleich in's Leben gerufenen Sklaven heiſchte, auf daß er ihr dienen möchte!
Wie dieſes Wunder allübertreffender Lieblichkeit be⸗ kleidet war, wußte ich nicht; durch welche künſtliche Vorrichtung ſie aus der ſich öffnenden Leinwand des Altarbildes hervorkam, oder auf welche Weiſe ſie nach Empfangnahme und Segnung der Opfergaben, in den Triumphwagen der Preceſſion geſchafft ward, ſuchte ich nimmer zu entdecken, ſo nahe ich dem Zuge auch war. Alles, was ich davon weiß, iſt, daß als ſie rundum durch die Kirche gefahren ward, ich mich ihr ſo nahe als möglich hielt, meine Augen an ihr ſtrahlendes Ant⸗ litz heftete, und dabei alles, was mir in den Weg kom⸗ men mochte, aus meinem Wege ſchob oder überrannte.
Dreimal wiederholte ſich ihre Umfahrt durch die Kirche, wobei ſie huldvoll ihre Segnung an die ſie um⸗ drängende Volksmenge ſpendete. Ohne der Stöße und Schläge zu achten, die ich empfing, blieb ich ihr dicht
zur Seite. Einmal begegneten unſere Blicke einander,
als ſie ſanft ihr Geſicht wendete. Es iſt mir zuwider von Baſilisken zu ſprechen; die Sprache hat keine Worte, die Poeſie keine Rhythmen, um die Allgewalt des Rei⸗ zes jenes Blickes ausdrücken zu können; obwohl der Jungfrau blaue Augen milder ſchaueten, als der Flaum auf der Schwinge des jugendlichſten Seraphs, zogen ſie doch meine Seele mit einer Gewalt zu ſich, die ſtärker war, als der Tod. Ich konnte nicht von ihnen weg⸗
blicken, und eben ſo wenig vermochte das jugendliche
Prunkopfer ſeinen Blick von dem meinigen abzuwen⸗ den. Auch weiß ich nicht, wie lange dieſes beider⸗
ſeitige Anblicken fortgedauert haben würde, wenn nicht
mein Fortſtoßen und Niederwerfen der mich Hindernden ſolche Aufmerkſamkeit erregt hätte, daß zwei baumſtarke


