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daß das Schauſpiel ſeine Endſchaft erreicht hätte, und erhob mich abermals aus meiner knienden Stellung, um fortzugehen. O, daß ich gegangen wäre! daß ich da⸗ mals gewußt hätte, wie ich an der Kriſis meines Schickſals ſtand!
Ein plötzliches und triumphirendes Einfallen der Orgel feſſelte mich an die Stätte. Das himmelhohe, gothiſch geſchnitzte Wölbdach erbebte bei den harmoni⸗ ſchen Widerklängen, und der Boden zitterte unter mei⸗ nen Füßen, als ob er Theil nähme an der göttlichen Melodie. Dann erſcholl der Choralgeſang zu Ehren der jungfräulichen Mutter— der Jugendlichen, der Schönen, der Benedeieten! Sie ward als der Geiſt der geläuterten Liebe begrüßt, ward in traulichen, herzi⸗ gen, häuslichen Ausdrücken um ihre himmliſche Fürbitte angeflehet. Man betete zu ihr, es möchte ihr Erbar⸗ men über das Meer hinhauchen, und ſie ſelber, die da ſterblich geweſen wäre, möchte in ihrer geſegneten Un⸗ ſterblichkeit der armen Erdenkinder eingedenk ſein. Frei⸗ lich ward dieſer begeiſternde Hymnus in gereimtem Mönchslatein abgeſungen, allein er drückte die Gedan⸗ ken klar, kräftig und innig aus, und Muſik und Chor⸗ ſtimmen dabei waren erhaben und trefflich.
Bei jeder Strophe ſtiegen die Prieſter mit dem Opferbecken eine der zum Hochaltare führenden Mar⸗ morſtufen hinan, beugten nach jedem zurückgelegten Schritte ihre Knie, und erhoben einen andächtigen Fle⸗ hensblick zu dem Altarsblatte, welches das vom Heili⸗ genſcheine der Schönheit und Unſchuld umwallte Bild⸗ niß der Jungfrau wies. Meine Augen hafteten an dem unausſprechlich ſchönen Antlitze des Bildes, und mich dünkte faſt, daß ein ſo unvertilgbar einnehmender Geſichtsausdruck die götzendieneriſche Anbetung verdiente,


