10 Die Büßung, oder daß ich dem Leſer noch gar nicht den Namen mitge⸗ theilt habe, den ich damals führte. Er hieß Ardent Troughton. Weßhalb man in der Taufe mich»Ardent« hatte benennen laſſen, weiß ich nicht zu ſagen. Viel⸗ leicht geſchah es, weil unter den Spaniern der Ge⸗ brauch vorherrſcht, ihren Kindern einen adjeckiviſchen Vor⸗
namen, als»Fromm“«,»Treu«,»Gnadenreich« u. ſ. w.
beizulegen, als wünſchten ſie, ihre Kleinen möchten im Beſitz der durch ſolchen Namen ausgedrückten Eigen⸗ ſchaft ſein; kurz, man hatte mich ſo und nicht anders taufen laſſen, und während der Zeit, in welcher ich vor dem Geſetze nichts Anderes, als der„unmündige« Ar⸗ dent Troughton war, ſchien mein Taufname in lächer⸗ lichem Widerſpruche mit meiner Natur zu ſein. Viel kleinlicher Witz war an denſelben verſchwendet, wie z. B. ich müßte, ſo ich es nur irgend verſuchte, ein glühender Liebhaber, ein feuriger Bewunderer u. ſ. w. ſein; bis endlich die Verfolgungen, die ich in dieſem Betracht erlitt, ein ganz entgegengeſetztes Ende nah⸗ men, indem man mir den Spitznamen»Phlegmati⸗ ker« gab.
Phlegmatiſch war ich wirklich. Um mich und an mir war eine Kälte und Abgemeſſenheit, die an Miß Agathe»die Würde der Ruhe« genannt ward. Ich ſtand im beſten Vernehmen mit mir ſelbſt und mit al⸗ ler Welt. Ich war Zeuge von Ausbrüchen der Leiden⸗ ſchaft geweſen, allein ich konnte dieſe nur unter der Vorausſetzung begreifen, daß ſie Abirrungen der Ver⸗ nunft waren. Wirklich war ich zu jener Zeit moraliſch ſo erſtarrt, daß ich die erhabenen Rhapſodieen Milton's für unnatürlich und die gigantiſchen Kämpfe der Leiden⸗ ſchaften in den Werken Shakſpeare's für ekelhaft hielt. Ich verſank beinahe in die Nichtsbedeutendheit der Fri⸗


