23
„Ich danke Dir, mein theurer Alfred! Du machſt Dir keinen Begriff, welche Laſt auf meiner Seele ag nun kann ich meinem Vater in das Angeſicht
icken.“ 4
„Ich hoffe, Du wirſt es; wir Seeleute ſind mit ſolch zarten Gefühlen nicht geplagt, Heinrich. Ich hätte ihm die Wahrheit längſt ſagen ſollen, ehe ich ſie Dir ſagte. Ich konnte es aber nicht über mein Herz bringen. Wenn dieſes Mißgeſchick ſich während des letzten Kreuzzuges ereignet hätte, da würde ich gerade in Deiner Lage ge⸗ weſen ſeyn; denn ich hatte eine Schneiderrechnung zu bezahlen, ſo lange wie eine Fregattenwimpel, und nicht genug in meiner Taſche, um auch nur das Frühſtück einer Maus zu bezahlen. Nun laß uns zurückgehen, und Du ſey ſo fröhlich als möglich, und ermuntere ihn etwas.“—
Alfreds munterer Geiſt mußte Gewiß Alle erhei⸗ tern, und nach dem Thee trat Herr Campbell, welcher mit ſeiner Gattin in Berathung getreten war, ſobald der Bediente das Zimmer verlaſſen hatte, mit einer vollſtändigen Darlegung der Gedanken hervor, bei wel⸗ chen wir ihn gelaſſen haben, und erklärte, daß er in dieſer ſchwierigen Lage die Meinung der ganzen Fami⸗ lie zu wiſſen wünſche und daß er ſicherlich keinen Ent⸗ ſchluß faſſe, ohne daß ſie darüber beſchloſſen und ihn gebilligt hätten. Heinrich, welcher ſeinen Geiſt mittelſt der von Alfred empfangenen Hülfe geſammelt hatte, war begierig, zuerſt zu ſprechen und entgegnete:
„Theurer Vater, theure Mutter, wenn Sie mit ſich nicht über einen Plan übereinkommen können, ſo fürchte ich, daß es nicht wahrſcheinlich iſt, daß ich Ihnen bei⸗ ſtehen kann; aber ich muß wenigſtens ſagen, daß ich, was auch beſchloſſen ſeyn mag, ſehr erfreut ſeyn werde, meine Pflicht gegen Sie, gegen meine Brüder und meine Schweſtern zu erfüllen. Meine Erziehung war nicht von der Art, daß ſie auch einem armen Manne wahrhaft nützlich ſeyn kann; doch, ich bin bereit, mit


