Hoͤflichkeit, ſich nicht zu lange davon zu unterhalten. Ohnerachtet deſſen, was ich von ſeinem duͤſtern Weſen geſagt habe, iſt Ludwig XV. doch bei einer Unterhaltung unter vier Augen der liebenswuͤrdigſte Mann in Frankreich. Er hat Tage einer Heiterkeit und einer Zufriedenheit, die Freude und Vergnuͤgen einfloͤßen.
Ich habe oft von ſeiner Herzensguͤte geſprochen, und will jetzt einen Zug davon erzaͤhlen, der zur Be⸗ ſtaͤtigung deſſen, was ich davon geſagt habe, dienen wird. Eines Abends, nachdem er bis ziemlich ſpaͤt bei mir geblieben war, ſagte er mir, daß er am folgenden Tage nicht bei mir ſpeiſen werde(was er ſehr oft that), weil er ſich nach Marli begeben muͤſſe und daſelbſt einen großen Theil des Tages zubringen werde. An demſelben Tage in der Fruͤhe beſuchte mich Marigny, mein Bru⸗ der, und da ich allein war, behielt ich ihn zum Eſſen. Er unterhielt ſich einige Zeit mit mir und entfernte ſich dann, um in dem Park von Verſailles ſpazieren zu ge⸗ hen, bis man ſich zu Tiſche ſetzen wuͤrde.
Indeß hatte der Koͤnig, ehe er zu Pferde ſtieg, ſeinen Plan geaͤndert. Statt nach Marli zu gehen, kam er wieder zu mir und verlangte bei mir zu ſpeiſen. Er bemerkte einen Tiſch mit zwei Gedecken, und da er mich am Abende vorher von ſeiner Abreiſe unterrichtet hatte, ſo war er davon uͤberraſcht. Er fragte mich, fuͤr wen das zweite Gedeck beſtimmt ſey?»Sire,« ſagte ich,»„mein Bruder hat mich heute Morgen beſucht und da ich allein war, ſo habe ich ihn gebeten, bei mir zu eſſen; weil aber Ihre Majeſtaͤt ſelbſt mir dieſe Ehre erweiſen, ſo will ich ihm ſagen laſſen, daß er nicht dar⸗


