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Guter Rath ist Geldes werth : eine Erzählung für die Jugend / von Friederike v. Marées
Entstehung
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vor. Die Bewohner der Hütte ſtarrten ihn alle ſechs an mit verwunderten Geſichtern, denn ſie verſtanden ihn nicht. Ein Hemd? Ein Hemd? fragten ſie alle,was iſt das? Wir geben Dir alles gern, was wir beſitzen, aber ein Hemd kennen wir nicht.

Nachdem der alte König eine umſtändliche Beſchreibung gegeben hatte, was ein Hemd ſei und wozu es diene, da brachten die Hirten einige graue, grobe Kleidungsſtücke zum Vorſchein von wunderlicher Form und wunderlichem Stoff. Der alte König aber ſchüttelte traurig ſein Haupt. Das waren keine Hemden, wie ſein Kind ſie gewohnt war zu tra⸗ gen, die rauhen Hüllen waren nicht gemeint; wie hätten dieſe ſich um die königlichen Glieder ſchmiegen können, ihre Be⸗ rührung hätte die Kranke ſchon getödtet. Er weinte ſo bitterlich, der alte König, daß es einen Stein hätte rühren mögen. Die Hirten ſahen ihn mitleidig an. Seine Getreuen, die ihn nach langem, vergeblichem Suchen hier fanden, konn⸗ ten nicht begreifen, wie er ſchon Kunde davon hatte, daß ſein holdſeliges Kind verſchieden ſei, war ihnen doch eben erſt dieſe Trauerbotſchaft zugekommen. Es iſt eine uralte, oft erzählte Mär, die ich hier aufgetiſcht habe. Sie hängt ſogar in keiner Weiſe mit dem, was ich erzählen will, zu⸗ ſammen; dennoch ſchien es mir zweckmäßig, ſie gewiſſermaßen als Einleitung voraus zu ſchicken. Ihr möchtet, meine jungen Leſer und Leſerinnen, vielleicht gemurrt haben, wenn ich Euch ſo mir nichts dir nichts in die ärmliche Hütte zu dem Hel⸗ den meiner Geſchichte geführt hätte. Ich weiß, die Jugend hört gern von großem Glanz und fabelhaftem Reichthum, ſie läßt ſich lieber in Schlöſſer und Paläſte führen, in denen