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Guter Rath ist Geldes werth : eine Erzählung für die Jugend / von Friederike v. Marées
Entstehung
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ſei. Die Aerzte gehorchten ihrem Herrn und Gebieter, wie es die Pflicht des getreuen Unterthanen iſt, ſie beriethen ſich lange hin und her, aber ſie ſtimmten niemals überein, und jeder hoffte das arme Königskind auf ſeine eigne Weiſe, nach ſeiner eignen Ueberzeugung wieder herzuſtellen.

Der Eine verordnete Pillen ſnd Pulver, der Andere Mixturen und Latwergen, Zugpcoflaſter und Umſchläge, und wenn es derzeit ſchon zum guten Tone gehört hätte, in Bädern ſeine verlorene Geſundheit wieder zu holen, oder ſich gelegent⸗ lich erſt recht krank zu machen, man hätte die Königstochter, von den Pyrenäen, an die Oſtſeeküſte, von da vielleicht in

ein Gas⸗ oder Fichtennadelbad getrieben. Ob das mit Erfolg

geſchehen wäre, wir haben nicht Zeit, es zu ermitteln. Aber das iſt leider gewiß, daß, wie geduldig ſich die Kranke in alle Verordnungen fügte, mit welcher Gewiſſenhaftigkeit ſie befolgt wurden, wenn ſie ſich auch durchaus widerſprachen, ein günſtiger Erfolg wurde nicht erzielt. Man merkte nichts von Beſſerung und das roſige Kind welkte dahin, wie eine Blume, welche vom Nachtthau vergiftet worden. Der alte König wurde immer trauriger und tieffinniger, und in ſeiner Noth und Troſtloſigkeit ſchrieb er an alle ſeine Vettern in der ganzen Welt und klagte ſeine Noth und bat um Hülfe und fragte hie und da an, ob nicht irgend wo ein geſchickter Arzt lebe. Und ſiehe, aus fernem Lande, weit über's Meer, kam ein weiſer Mann, ein Wunderdoktor. Der König ver⸗ ſprach ihm Gold und Edelſteine, ja die Hälfte ſeines Reiches, wenn ihm die Heilung ſeines kranken Kindes gelangen würde. Der Weiſe, deſſen Anblick ſchon Vertrauen erweckend und Ehrfurcht gebietend war, ließ ſich zu der Kranken hinführen,