—
die wie ein Marmorbild auf dem weichen und reichen Pol⸗ ſtern ihres Ruhebettes lag, und ſo matt und ſchwach war, daß ſie kein Glied zu regen vermochte. Er fragte ſie kreuz und gauer, er fühlte ihren Puls, er betaſtete ihre Schläfe und ließ ſich die Zunge zeigen. Er beſchaute und unter⸗ ſuchte genau die zarten, feinen Ohren, die Nägel der ſchön geformten Finger; er ſtudirte die Linien, welche ſich durch die ſchneeweiße, ſammetweiche Hand hin und her zogen und kreuzten, und ſchüttelte bedenklich das weiße Haupt. Dann aber bat er, daß man ihm ein Zimmer anweiſe, fern von den Wohnungen der Hofleute, um ungeſtört ſeine Forſchungen betreiben zu können. Man brachte ihn hoch hinauf in ein Thurmzimmer, das in keiner Berührung mit den Sälen und prächtigen Gemächern des Palaſtes ſtand. Vier und zwan⸗ zig Stunden nahm der Weiſe weder Speiſe noch Trank, ſon⸗ dern blätterte in einem großen Buche voll geheimer Zeichen und wunderlicher Abbildungen. Als Tag und Nacht ver⸗ gangen waren und der Morgenſtern leuchtete, da trat er aus dem entlegenen Thurmzimmer wieder heraus. Dem alten König hatten Angſt und Sorgen den Schlaf von den Augen geſcheucht; er kam ihm entgegen, Spannung in allen Zügen. Der tiefe, feierliche Ernſt in dem Antlitz des Weiſen erſchreck⸗ ten die Majeſtät, aber die Worte:„Es giebt ein Mittel, von welchem ich Geneſung verſprechen kann!“ erfüllte die Seele des Vaters mit Seligkeit. Er jauchzte laut auf.
„Mäßige Deine Freude, großer König. Ein Mittel zur Heilung iſt allerdings gefunden, aber die Erlangung deſſel⸗ ben dürfte noch viele Schwierigkeit machen, ja es iſt ſogar zweifelhaft, ob wir es erhalten.“


