geweſen, ſo hätte man ſehen können, wie der Mantel
des jüngſten Schläfers langſam ſich auseinander⸗
wickelte, wie allmählig ein blonder Kopf mit bleichem
Geſicht aus dem Schatten ſich hob, gleichſam von dem Lichtſchimmer angezogen, welcher ihn wie ein Heiligenſchein einrahmte.
Ein liebliches und doch verſtändiges Geſicht, mit blauen, in ſanftem Ausdruck ſchwimmenden Augen, die reinen Züge germaniſcher Abſtammung, bei der jugendliche Anmuth ſchon die künftige Kraft ahnen läßt; ein Mund, mehr angelernte als natürliche Zu⸗ rückhaltung verrathend, denn ſeine Lippen waren voll und friſch; Nachdenken, ja Leiden auf einer Stirn von ſtebzehn Jahren, dieß Alles enthüllte der fahle Schimmer, der von der Feuerſtelle bis zu dem Felſen hinüber ſich verlor.
Der Jüngling überzeugte ſich, daß ſeine beiden Gefährten ſchliefen, dann richtete er ſich vollends in den Ellbogen auf, hielt das Auge auf die Gruppe der Sprechenden geheftet und horchte. Wie er lauſchte! nicht mit den Ohren, nicht mit dem Blick, nicht mit dem ganzen Körper, ſondern mit ganzer Seele. Was in ihm war von Geiſt, Kraft und Leben, ſchien ihm in die Augen getreten, welche immer heller leuchteten, wie die Fenſter an einem zuvor einſamen Haus. Man hätte glauben mögen, er athme jedes Wort ein mit den halbgeöffneten Lippen, und jedes von ihm aufgenommene Wort bringe in ſeinen Adern einen Tropfen Blut in Wallung, rufe eine Vorſtellung in ihm wach; er war wie einer jener ſchon erbleichten
und erkalteten Todten, welche der elektriſche Strom Irnit einer Energie des Ausdrucks wiederbelebt, der


