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Die weiße Rose : Roman aus der englischen Geschichte / von August Maquet ; aus dem Französischen von Georg Jäger
Entstehung
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theilt ſehen, haben eigentlich nur die Wahl zwiſchen Schlaf oder Unterhaltung. Einige Schläfer zogen ſich weg; die Mehrzahl, gelagert um das Licht und Wärme verbreitende Feuer, von dem ſchon rothe Flammen und dampfender Rauch aufſtieg, fing an zu plaudern, anfangs nicht ohne einiges Mißtrauen und über alltägliche Dinge, bald aber, vom Drang der Neugierde fortgezogen, kam man auf die Zeitereig⸗ niſſe zu ſprechen. Welche Zeit und welche Ereig⸗ niſſe! Wenn je ein Zeitalter verlohnte darüber zu ſprechen, ſo war es jenes ſchreckenvolle fuͤnfzehnte Jahrhundert, welches gleich einer purpurroth aufge⸗ henden Sonne, ſich eröffnet batte mit den Schlächte⸗ reien Tamerlans und der Huſſiten; welches in Paris die Metzeleien der Armagnaes geſehen; in Frankreich Johanna von Are; in Deutſchland die erſten Verſuche Guttenbergs; im Morgenlande den Fall Conſtan⸗ tinopels; überall Ströme von Blut und Ströme neuer Gedanken: die Kunſt der Feuergeſchoſſe und jene des Bücherdrucks, beides eine neue Waffe für die Völker; ſodann den Kampf Ludwigs Xl. und Karls des Kühnen, Blutgerüſte, Galgen, Schlacht⸗ felder; dann die mörderiſchen Kämpfe von Granſon, Murten und Nancy, den Leichnam des Herzogs von Burgund, der in einer gefrorenen Lache von einer Wäſcherin gefunden ward; dann in Italien die Bor⸗ gia's; Alexander VI., der ſeine Tiara beim König von Frankreich einlöste und dafür den unglücklichen Prinzen Dſchem preisgab; Karl VIII., der die Bre⸗ tagne und das Herzogthum Mailand eroberte, um beides wieder zu verlieren; endlich in England die Glückswechſel der Häuſer York und Lancaſter; der