Opfer. Er ſetzte ſich endlich näher zu ihr. Ueber⸗ wunden von dieſer Zauberin, bat er ſie dringend, ſie möchte ſich nicht erkälten, denn das Waſſer wurde friſch im Abendwind; er flehte ſie an nicht mehr zu ſingen, und um ſie zum Gehorſam zu zwingen, ver⸗ ſchloß er ihre Lippen mit einem Kuß. Dieſer Kuß machte Caliſte erbeben; ſie ſtieß einen ſchlecht unter⸗ drückten Seufzer aus, ihr Herz pochte ſo heftig, daß Armand ſie fragte, ob ſie nicht irgend ein Leiden empfinde.
Statt aller Antwort nahm ſie ſeinen Kopf mit beiden Händen, um ihn in ihren Schooß zu legen. Er fand ihre Hände eiskalt; deßhalb richtete er ſich auf, hüllte ſie ganz in den großen Burnus und drückte ſie ſanft auf das Verdeck nieder, wie ein Kind, das man in den Schlaf wiegen will.
Die Nacht war prachtvoll beleuchtet. Millionen von Sternen beglänzten den Waſſerſpiegel. Man hörte in der Ferne ein harmoniſches Getöne. In⸗ zwiſchen glitt das Boot unmerklich bis in die Mitte des Sees.
Tief in ihren Mantel begraben, fuhr Ealiſte fort ganz leiſe ein eintöniges ukräniſches Klagelied zu ſingen. Armand ſtreckte ſich unter ihr aus und ſuchte einen Stützpunkt für ſeinen Kopf, welchen all⸗ mälig der Schlaf ſchwer machte. Sie gab ihm die dicken Falten des Burnus, der über ihre Füße hin⸗ ausragte. Dann erhob ſie ſich auf einen Ellbogen, beobachtete ihn mit ſeltſamer Seelenqual und ſchien zu warten, bis er die Augen ſchlöſſe. Es ſchlug elf auf den Thürmen von Fiumelate und von Varenna. Armand murmelte:
Maguct, Herzensſchulden⸗ 20


