Druckschrift 
Herzensschulden : Roman / von Auguste Maquet ; aus dem Französischen von Dr. Gottlob Fink
Entstehung
Einzelbild herunterladen

289

Er glaubte, ſie habe ſich täuſchen laſſen. Dies war auch wirklich in ſo fern wahr, als ihre einzige

Unruhe darin beſtand, Armands Anſicht über ſie 4 ſelbſt und die Art, wie er Herrn von Bierges ſeinen

Heirathsplan ankündigen würde, zu erfahren.

Eine Frau, welche liebt und argwöhnt, hält be⸗ ſtändig jeden Faden, der mit den Handlungen ihres Geliebten in Verbindung ſteht, in ihren feinfühlen⸗ den Fingern. Vergebens flüchtet ſich der Geliebte in ſeinen Gedanken, den er undurchdringlich glaubt; da jeder Gedanke nothwendig eine Bewegung her⸗ vorruft, ſo zittert der Faden, der entſprechende Fin⸗ ger bebt; die Eiferſucht iſt gewarnt, ſie beobachtet, ſie erfährt.

Armand ſollte mit Caliſte auf der andern Seite des Sees in Menaggio frühſtücken. Man ißt da eigenthümliche Schalthiere, unvergleichlichen Rahm und gewiſſe Würſtchen, die mit einem leichten weißen Wein und ächtem Seltzer Waſſer ein ausgeſuchtes Mahl bilden.

Caliſte hatte nach ihrer Gewohnheit alle ihre Vorbereitungen getroffen, ohne Etwas zu ſagen, und ihre Toilette war fertig, als Armand, der bereits nicht mehr an die Schalthiere und an die roſarothen Rädchen dieſer Salcissoni dachte, ihr erklärte, daß er daheim bleiben werde, um dieſen Sohnesbrief endlich einmal fertig zu machen, deſſen Abfaſſung ihn ſehr langweile, fügte er lachend hinzu, um Ca⸗ liſte vollkommen zu beruhigen.

Aber es war das Gegentheil. Er erſchreckte ſie.

Sehr gut, erwiederte ſie, indem ſie ebenfalls lachte. 4 Maquet, Herzensſchulden. 3 19