284
Luft und keine Ausſicht hat; der zweite darin, daß man hieher kommt, um den Comerſee zu ſehen, und daß man ihn trotz aller Bemühungen hier nicht findet.
Der See iſt für Como eine Art von Schwemme, zwiſchen zwei Mauern eingeſchloſſen und mit Schif⸗ fen überdeckt, unter welchen das Bischen Waſſer ver⸗ ſchwindet, das man in dieſer Schwemme hätte wün⸗ ſchen können. Um den See zu ſehen, muß man ſich einſchiffen, weit gehen, und auch dann noch bemerkt man ſehr wenig. Ein Spaziergang am Ufer des Sees iſt eine Fiction; es iſt kein Weg vorhanden. Der Spaziergang beſchränkt ſich in Como auf die Straßen der Stadt; dies iſt eintönig, Caliſte hatte es bald ſatt.
Sie fragte nach einer Wohnung am See ſelbſt, das heißt an dieſen beiden grünen Bergen entlang, welche ihn von Como bis nach Bellaggio einfaſſen.
Hier winken, wie chineſiſche Arbeiten auf Com⸗ moden und Geſimſen, Villen um Villen unter den Bäumen gruppirt. Man kann ſie zählen, wenn man über den See fährt; mehrere waren in dieſem Augen⸗ blick der ſchönen Jahreszeit zu vermiethen oder zu verkaufen. Sie gefielen Caliſte nicht, die trotz ihrer Vorliebe für heitere Ausſichten die Berührungen, die beſtändigen Beſuche und all die Servituten des Landlebens, welche die Anknüpfung nachbarlicher Verhältniſſe nothwendig machen, tödtlich haßte.
3 Ueberdies erſchrack ſie jetzt, da ſie glücklich war,
weit weniger vor einer ernſten Ausſicht. Ihr Geiſt gewann in der Ruhe die ausgezeichneten, männlichen Seiten wieder, die ihn im höchſten Grad charakteri⸗


