22
verzweiflungsvollen Geberde erwiederte. War dies die Art, wie Armand glänzen ſollte?
Luciennes Kopf ſenkte ſich auf ihren Fächer. Die Gräfin ſchlug mit einem unüberſetzbaren Ausdruck ihre großen Augen gegen Armand auf.
Was den Urheber dieſes ſtillen Scandals betraf, ſo ſtand er noch immer da, wie eine Caryatide unter dem Lilienbüſchel, der aus einem japaniſchen Potiche herausragt. Nichts erinnerte ihn an den ungeheu⸗ ren Fehler, den er ſo eben begangen hatte. Ver⸗
gebens zermalmte ihn ſein Vater mit blitzenden Blicken, vergebens huſtete die Baronin ganz leiſe. Armand war wie der rechtſchaffene Mann des Horaz: er hätte es nicht geſpürt, wenn die Decke über ſei⸗ nem Haupte eingeſtürzt wäre. 3
Madame Chaudray wollte als gewandte Dame und aufrichtige Freundin dem Geſpräch eine andere Wendung geben, und vielleicht wäre dem Uebel noch abzuhelfen geweſen. Aber unglücklicher Weiſe trat jetzt Herr Chaudray ſelbſt zu der Gruppe; er kam vom andern Ende des Salons, vom Quartier der ſchönen Ruſſinnen zurück und war noch gänzlich ver⸗ zaubert.
„Ich wette,“ ſagte er,„daß Sie von der Fürſtin Nowratzin, dieſem Weltwunder, ſprechen.“
„Sie haben gewonnen, mein Herr,“ erwiederte Armand in luſtigem Tone.
„Hat man je eine ſolche Zauberin geſehen?“ fügte der gelehrte Mytholog hinzu.
„Eben das habe ich zu dieſen Damen geſagt,“ ſiel der unglückliche junge Eheſtandscandidat ein.


