Dieſe Brüderſchaft brauchte die Baronin als For⸗ mel bei jungen und bei alten Leuten: letztere fühlten ſich ſehr geſchmeichelt, daß ſie auf dieſe Art wieder jung wurden; die erſteren ſchätzten ſichs zur großen
Ehre durch die fünfundvierzigjährige Schweſter zu
reifen Männern geworden zu ſein. Aber da Ma⸗ dame Chaudray die Hochachtung und Liebe Aller beſaß, ſo erntete ſie ſtets ein Compliment für ihre freundſchaftliche Zuſicherung.
Der Rath küßte ihr die Hand.
„Alſo ich liebe Euch, Ihren Sohn und Sie,“ ſagte ſie.—„Sie, ein Mann ohne Wünſche, ohne Fieber, etwas indolent, um es gerade herauszuſagen, würden vielleicht Nichts von mir annehmen; aber Ihr Sohn hat nicht das Recht den Wirkungskreis abzulehnen, den ich ihm anbieten will. Er iſt vor 1848 Unterpräfect geweſen; ohne dieſe abgeſchmackte Revolution wäre er jetzt Präfect. Man glaubt und gewiß nicht ohne Grund, daß dieſe ganze Geſchichte nicht lange dauern werde; bereiten wir uns vor, den Sturm gut auszuhalten, ſobald er uns in den Rücken bläst. Wie viel werden Sie Ihrem Armand geben, wenn er heirathen wollte?“
„Heirathen!“ rief Herr von Bierges.
„Ja.“
„Je nachdem, Madame!“
„Die Frau, die ich für ihn im Auge habe, be⸗ ſitzt gegenwärtig 1,800,000 Franken als Eigenthum.“
„Und die gleiche Summe bekommt ſie, wie ich feſt überzeugt bin, nach dem Tod... ihrer... Ver⸗ wandten,“ fügte die Baronin hinzu.
Der Rath fuhr auf ſeinem ſeidenen Polſter auf.


