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Herzensschulden : Roman / von Auguste Maquet ; aus dem Französischen von Dr. Gottlob Fink
Entstehung
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brachte weniger Freunde, aber mehr Geld in die Ge⸗ meinſchaft mit. Sie war die Wittwe eines reichen Fabrikanten chemiſcher Producte, eines Halbgelehrten, welcher beſtändig zu ſeinem berühmten Collegen vom Inſtitut kam, dem er Arſenik und Alkohole lieferte. All die Decorationen und ſchönen Bekanntſchaften Chaudrays hatten in der ehrgeizigen Kaufmannsfrau allerlei Gedanken hervorgerufen, ſo daß ſie den Ver⸗ ſtorbenen nicht zu beleidigen glaubte, wenn ſie ihre Million zu den Füßen eines ſolchen Nachfolgers nie⸗ derlegte. Was ihre eigene Perſon betraf, ſo ahnte die neue Baronin recht wohl, wie viel ſie bei dem Handel gewinnen mußte.

Der Gelehrte und jeine Baronin waren jetzt zehn Jahre verheirathet, ohne ſich auch nur eine einzige Minute nach ihrer Freiheit zurückgeſehnt zu haben. Chaudray, welcher den Tag über ausſchließlich den drei Reichen angehörte, war Abends hochvergnügt einen Salon anzutreffen, wo die drei Reiche durch die charmanteſten Damen, durch die größten Dia⸗ manten und die lieblichſten Blumen vertreten waren. Die Baronin, die ſich den Tag über mit der Glorie ihres Gatten ſchmückte, thronte ihrerſeits einmal in der Woche in dieſem glänzenden Salon, der ihre eigene Sammlung enthielt; geiſtreich, verbindlich, be⸗ harrlich in ihren Plänen, war ſie in Wahrheit die Königin einer Welt von Inſecten mit weißer Hals⸗ binde und Atlaßcorſetten, welche Species nach der Behauptung der Naturforſcher die koſtbarſte und vollendetſte der ganzen Schöpfung iſt.

So wiel von der Wirthin, die Herrn von. Bier⸗ ges zum Diner erwartete und ihn um ein Plauder⸗