Ende kam. Er hielt im zweiten Stock an und griff nach dem meſſingenen Drücker. Die Frau Baronin Chaudray, Gattin des be⸗
rühmten Gelehrten gleichen Namens, welchem das Inſtitut und alle europäiſchen Academien ihre Diplome zugeſchickt hatten, war mit fünfundvierzig Jahren nicht eine angenehme Frau, ſondern die an⸗ genehmſte aller Frauen. Groß, dick und häßlich, mit einer äußerſt lieblichen Stimme und der ganzen Grazie einer vollendeten Pariſer Hausbeſitzerin aus⸗ geſtattet, hatte ſie die beſte kosmopolitiſche Geſellſchaft, welche ſonſt das Cabinet des großen Naturforſchers beſuchte, an ſich zu locken, bei und für ſich zu be⸗ halten verſtanden. Herr Chaudray hatte ihr zwei⸗ oder dreihundert berühmte Freunde, die er in Schwe⸗ den, Rußland, Polen, Italien, England und Deutſch⸗ land geſammelt, als Mitgift zugebracht. Jeden dieſer großen Namen hatte er mit einer unbekannten Pflanze gepflückt, mit einer ſeltenen Muſchel gefiſcht! mit einem koſtbaren Inſect angeſpießt. Nie war „Chaudray von einem fernen Ausflug zurückgekommen, ohne ein paar Dutzend neue Freunde mitzubringen, die ewige Freunde wurden, wenn ſie ihn als Menſch kennen lernten, nachdem ſie ihn als Gelehrten be⸗ wundert hatten. Zehn große Reiſen, die ſeine Feld⸗ züge ausmachten, hatten die Sammlung ergänzt, und ſein Herz hätte, ſo groß und gut es war, keine neuen mehr faſſen können, wie auch ſeine allerdings etwas magere Bruſt unmöglich ein weiteres Kreuz neben den von aller Welt her geſchickten Orden, womit ſie beſternt war, zu placiren gewußt hätte.
Madame Chaudray, die nicht ſo viel gereist war, 4


