— 333— Wart, ich will Dich zurecht machen! Wenn Du mit Der da vor mich hertreten wirſt, um gerade gewiſſe lateiniſche Worte zu hoͤren, werd' ich zu Dir ſprechen: Latein magſt Du nicht, geh mit Gott!— Heh?“
„Ei, ich weiß ſchon was ich ſage,“ rief Renzo.„Das Latein dort macht mir keine Furcht; das iſt ein aufrichti⸗ ges heiliges Latein, wie's in der Meſſe vorkommt; Sie muͤſſen's ja dort auch leſen, wie's im Buch geſchrieben ſteht. Ich mein' aber das verwuͤnſchte Latein außerhalb der Kirche, das in ein rechtſchaffenes Geſpraͤch, wie ein Spitzbube, ſich hineinſchleicht; zum Beiſpiel— wir ſind ia doch hier ganz guter Dinge, und aller Spuk iſt vorbei— das Latein, mit dem Sie angeſtiegen kamen, iuſt hier, in der Ecke, um mir zu bedeuten, Sie koͤnnten nicht, es ge⸗ hoͤrten andre Dinge dazu, und was weiß ich— ſagen Sie
mir's jetzt einmal in verſtaͤndlicher Sprache.“
„Schweig, Narr, ſchweig, und ruͤhr' nicht auf. Wenn wir jetzt die Rechnung ziehen wollten, ſo weiß ich nicht, wer ſchlimm dabei wegkaͤme. Ich hab' Alles verziehen; wir wollen weiter nicht davon reden. Streiche habt Ihr gemacht. Von Dir nimmt's mich gar nicht Wunder, Du biſt der Spitzbube; das ſtille Waſſer aber hier, die kleine Heilige/ wer haͤtte geglaubt, daß man ſich auch vor Der in Acht nehmen muß? Ich kenn' ſie aber, ich hab ſie unter⸗ richtet, ich kenn' ſie, die kleine Heilige!“
Indem er ſo ſprach, richtete er den Zeigefinger, womit er erſt auf Lucien gedeutet hatte, auf Agneſen; die froͤh⸗ liche Miene aber, die launige Gemuͤthlichkeit, mit welcher er dieſe Vorwuͤrfe losſchlug, mußte man ſehen. Jene Nach⸗ richt hatte ihn gleichſam vom Starrfroſte der Furcht ge⸗


