nehmens vor Augen hatte, die eine fuͤr den Braͤutigam, die andre fuͤr alle Leute, mit welchen ſie ſonſt in Bekannte: ſchaft ſtand.
„Mir geht's gut, wenn ich dich ſehe,“ antwortete der Juͤngling mit einer Redensart, die nach gedruckten Buͤ⸗ chern ſchmeckte, die er ſelbſt aber in dieſem Augenblick er⸗
funden haben wuͤrde. 3
„Unſer armer Pater Criſtoforo!“ ſagte Lucia,„bete fuͤr ſeine Seele, Renzo; obgleich wir ſo gut als ſicher ſeyn koͤnnen, daß er in dieſem Augenblick ſchon fuͤr uns dort oben betet.“ 3
„Ich war mir's vermuthen,“ ſagte Renzo,„nur zu ſehr hab' ich's gefuͤrchtet.“— und das war nicht die einzige Saite, welche in dieſem Geſpraͤch mit traurigem † Tone ſich hoͤren ließ. Indeſſen, welchen Gegenſtand es aguch immer betraf, ſo war dennoch das Geſpraͤch eine Luſt, ein Balſam fuͤr ſeine harrende Ungeduld. Wie die ungeberdigen Roſſe, welche, den Kopf zuruͤckdrehend und ſich aufſchwingend, bald den einen, bald den andern Fuß in die Hoͤhe heben und auf dieſelbe Stelle wieder auf⸗
ſetzen, tauſend Bewegungen machen, ehe ſie einen Schritt thun, dann aber mit einem Zug in Galopp gerathen, 1 und vom Winde gleichſam getragen werden, ſo machte es die Zeit mit unſrem Renzo; fruͤher duͤnkten ihn die„† Minuten Stunden, jetzt wurden die Stunden zu Mi⸗ nuten.. Die Wittwe machte nicht bloß in dem geſelligen Kreiſe keine Stoͤrung, ſie paßte auch ganz vortrefflich hinein; als Renzo ſie im Hoſpital auf dem Bette liegen ſah, haͤtte er nimmermehr errathen, daß ſie eine ſo umn⸗


