Teil eines Werkes 
3. Theil
Entstehung
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ÿ 6.

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chen Werke lag, hatte Dame Praſſede noch eine andere im Sinne, welche, ihrer Anſicht nach, wohl noch gewichtiger war: ſie wollte einen Kopf zurechtſetzen, und eine Seele, die es noͤthig hatte, wieder auf die rechte Straße bringen. Denn ſeit ſie zuerſt von Lucien ſprechen gehoͤrt, hatte ſie ſich augenblicklich eingebildet, daß in einem Maͤdchen, wel⸗

ches ſich einem Erztaugenichts, einem gefaͤhrlichen Haͤndel⸗

ſtifter, kurz einem Galgenvogel verſprechen gekonnt, durch⸗ aus ein fehlerhafter Kern ſtecken muͤſſe. Sage mir, mit wem du umgehſt, und ich werde dir ſagen, wer du biſt. Luciens Beſuch hatte dieſe Einbildung beſtaͤtigt. Als ein gutes Maͤdchen erſchien ſie im Grunde der Dame aller⸗ dings, es ließen ſich aber hundert Dinge dabei erinnern. Daß ſie das Koͤpfchen immer ſenkte, und das Kinn faſt in die Kehlgrube druͤckte, daß ſie entweder gar nicht oder nur ſehr langſam, wie gezwungen, antwortete, das konnten die Zeichen der Schaamhaftigkeit ſeyn; indeſſen verrieth ſich in ihnen doch immer ein ſtoͤrriger Eigenſinn; es gehoͤrte wenig dazu, um zu errathen, daß dieſes Koͤpfchen ſeine ei⸗ genen Gedanken habe. Daß ſie uͤbrigens jeden Augenblick roth wurde, und Seufzer unterdruͤckte, geſiel der Dame eben ſo wenig als die beiden großen Augen, die von ſchwaͤrmeriſcher Gluth zu leuchten ſchienen. Als haͤtte ſie's aus den beſten Haͤnden, war es bei ihr ausgemacht, daß Luciens ganzes Mißgeſchick eine Strafe vom Himmel, weil ſie mit einem ſolchen Schurken verbunden ein Finger⸗ zeig, daß man ſie von dieſem Menſchen losreißen muͤſſe. Sobald das feſt ſtand, nahm ſie ſich vor, den guten Zweck mit thaͤtigen Haͤnden zu erwirken. Denn da ihr ganzer Eifer, wie ſie ſich und Andern oft erklaͤrte, bloß auf die