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man es kennen; wie jedes andre Ding aber laͤßt es ſich nur, mitten in unſern Leidenſchaften, durch unſer Urtheil, durch unſre Vorſtellungen kennen lernen, und mit dieſen ſieht es nicht immer am Beſten aus. Mit den Vorſtellun⸗ gen hielt es Dame Praſſede, wie man es mit den Freunden halten muß; ſie hatte wenige, dieſen Wenigen dagegen war ſie von ganzem Herzen zugethan. Unter den Wenigen gab es zum Ungluͤck manchen verſchrobenen, und gerade zu die⸗ ſen war ihre Liebe nicht ſtiefmuͤtterlich. Sie ſetzte ſich da⸗ her als gut in den Kopf, was nicht gut warv; ſie ſuchte ihre Abſichten durch Mittel zu erreichen, welche gerade ei⸗ ne entgegengeſetzte Wirkung haben mußten, oder hielt fuͤr erlaubt, was keinesweges es war— von der luftigen An⸗ nahme geleitet, daß ein Menſch, der mehr als ſeine Schul⸗ digkeit thut, auch die Grenzen ſeiner Rechte uͤberſchreiten darf; es traf ſich nicht ſelten, daß ſie an einer Unterneh⸗ mung, was wirklich dabei vorhanden, nicht bemerkte, oder ſah, was nicht da war. Vieles dieſer Art begegnete ihr, was Allen, auch die Beſten nicht ausgenommen, begegnen kann; bei Dame Praſſede ereignete es ſich nur zu oft, und bisweilen alles auf ein Mal.
Nachdem ſie Luciens großes Ereigniß erfahren, und ſich Alles hatte ſagen laſſen, was man bei dieſer Gelegen⸗ heit von dem jungen Maͤdchen einander erzaͤhlte, kam ihr die Neugier an, ſie zu ſehen; eine Kutſche mit einem alten Armbedienten langte an, um Mutter und Tochter abzuho⸗ len. Lucia fand kein Behagen daran, und bat den Schnei⸗ der, welcher die Nachricht brachte, auf eine Entſchuldigung zu ſinnen. So lange nur unbedeutende Leute ſich einge⸗ funden, um die Bekanntſchaft des Wundermaͤdchens zu


