Teil eines Werkes 
3. Theil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8

zuruͤckgezogen, fern vom Auge der Menſchen, fleißig fort. Agneſe ſtrich theils außer dem Hauſe herum, theils fuͤhrte auch ſie in Geſellſchaft der Tochter die ausbeſſernde Nadel. Geruͤhrte Zaͤrtlichkeit erfuͤllte ihre Geſpraͤche mit Betruͤb⸗ niß; Beide ſahen aͤngſtlich einer Trennung entgegen; denn das Lamm durfte nicht wieder heimkehren, nicht der Hoͤhle des Wolfs ſo nahe weilen. Wann aber und wie ſollte dieſe Trennung ihr Ende finden? Finſter und unerklaͤrlich ſtand die Zukunft vor ihnen da, vorzuͤglich fuͤr Eine von ihnen. Agneſe ſpann in der Stille ihre frohen Vermu⸗ thungen aus: Renzo wuͤrde, wenn ihm ſonſt kein Ungluͤck zugeſtoßen, doch endlich bald Nachricht von ſich geben muͤſ⸗ ſen; wenn er Arbeit und Anſtellung gefunden, wenn er wie ließe ſich daran zweifeln? ſeinem Entſchluſſe, mit Lucien ſich zu verheirathen, getreu bliebe, warum ſollte man nicht hingehen koͤnnen und wohnen, wo er ſich auf⸗ haͤlt? Mit ſolchen Hoffnungen unterhielt ſie denn auch die Tochter gar oft; ob aber dieſe mehr Schmerz bei dem Anhoͤren oder mehr Pein bei dem Antworten empfand, laͤßt ſich kaum beſtimmen. Ihr großes Geheimniß hatte ſie noch immer verſchwiegen. Wohl fuͤhlte ſie ſich beunruhigt, mit einer ſo guten Mutter hinterliſtig zu verfahren, aber von der Schaam und von mannichfachen Bedenklichkeiten unuͤberwindlich zuruͤckgehalten, verſchob ſie den Augenblick der Eroͤffnung von einem Tage zum andern. Von den Plaͤnen der Mutter waren die ihrigen gar ſehr verſchieden, oder die Wahrheit geſprochen, es ſtanden ihr keine vor Au⸗ gen; ſie hatte ſich ganz und gar der Vorſehung uͤberlaſſen. So ſuchte ſie denn ſolch ein Geſpraͤch abzubrechen, oder in ein anderes Geleiſe zu bringen; in allgemeinen Ausdruͤcken