— fuͤgte er mit einem Seufzer hinzu—„dann muͤßten auch Eure erlauchte Gnaden immer in unſerm Dorfe hier, oder wenigſtens in der Nachbarſchaft, ſich aufhalten.“
„Der Herr iſt aller Orten nah,“ ſagte der Kardinal, „uͤbrigens werde ich darauf denken, ſie in Sicherheit zu bringen.“— Sodann gab er ſogleich Befehl, daß morgen fruͤh beizeiten die Saͤnfte mit einer Begleitung hinge⸗ ſchickt wuͤrde, um beide Frauen abzuholen.
Don Abbondio ging ſehr zufrieden fort, daß der Kar⸗ dinal von dem Paare mit ihm geredet, ohne ihn mit der Frage, warum er ſie nicht habe trauen wollen, in die Enge zu treiben.— Er weiß alſo nichts— ſagte er zu ſich ſelbſt,— Agneſe hat reinen Mund gehalten, ein wahres Wunder! Man muß es freilich noch erſt abwarten; ich will ihr aber eine zweite Anweiſung geben.— Der arme Mann ließ ſich's nicht traͤumen, daß Borromeo ſich in dieſe Materie bloß darum nicht eingelaſſen, weil er bei freierer Zeit umſtaͤndlich mit ihm daruͤber zu ſprechen ge⸗ dachte, und ehe er ihm den verdienten Lohn gab, auch ſei⸗ nen Gruͤnden ein Ohr leihen wollte.
Aber die Entwuͤrfe des redlichen Kirchenhorts⸗ um Lu⸗ eien unter zu bringen, waren bereits unndthig geworden; nachdem er ſie verlaſſen, hatten ſich Dinge ereignet, die unſre naͤchſten Blaͤtter berichten ſollen.
In den wenigen Tagen, da die beiden Frauen unter dem gaſtfreundlichen Dache des Schneiders zugebracht, hatte jede von ihnen, ſo viel als moͤglich, ihrer alten ge⸗ wohnten Lebensweiſe ſich wieder zugewandt. Lucia hatte ſich ſogleich nach Arbeit umgeſehen, und wie ſie im Klo⸗ ſter gethan, naͤhte ſie auch hier, in ein kleines Kaͤmmerchen


