— 308—
Erkundigung das Wenige, was ſie von Renzo's Begeben⸗ heiten wußte, verworren vor.
„Ich habe von dieſem Menſchen ſprechen gehoͤrt,“ ſagte der Kardinal;„wie konnte aber ein Menſch, der ſich in Haͤndel dieſer Art verwickelt findet, der Gatte eines ſol⸗ chen Maͤdchens werden wollen?“
„Es war ein rechtſchaffener junger Mann /”/ antwortete Lucia erroͤthend, aber mit kleinlauter Stimme.
„Nur allzufriedlich war er,“ fuͤgte die Mutter hinzu, „und daruͤber koͤnnen Sie Sich erkundigen, bei wem Sie wollen, ſogar bei'm Herrn Pfarrer ſelbſt. Wer weiß, was fuͤr Kabalen ſie dort angeſtellt haben, was ſie ihm fuͤr ein Retz um den Kopf geworfen? Es gehoͤrt wenig dazu, um
arme Leute als Schurken am Pranger ſtehen zu laſſen.“
„Freilich wohl wahr,“ aͤußerte der Kardinal.„Ich werde aber in jedem Fall Erkundigung uͤber ihn einziehen.“ — Er ließ ſich den Namen und die Familie des jungen Mannes angeben, und merkte ſie ſich. Darauf ſagte er, er gedenke in wenigen Tagen ſich nach ihrem Dorfe zu be⸗ geben; dann koͤnnte Lucia unbeſorgt mit hinreiſen; lindeſ⸗ ſen wuͤrde er auf ein ſicheres Unterkommen fuͤr ſie denken, bis Alles wieder, ſo gut als moͤglich, in Ordnung gebracht
worden.
Darauf wandte er ſich zu den Hausleuten, und dieſe traten ſogleich naͤher. Er wiederholte den Dank, welchen er ihnen bereits durch den Pfarrer hatte ſagen laſſen, und erſuchte ſie, ob ſie geneigt waͤren, die Gaͤſte, ſo ihnen der Himmel zugeſandt, auf die wenigen Tage unter ihrem Dache zu beherbergen.
„Von Herzen gern, Herr!“ antwortete die Frau. Ihre


