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Vorſtellung einer ſolchen Oeffentlichkeit marterte das Maͤd⸗ chen mit einem unertraͤglichen Schaamgefuͤhl! Dazu kam eine ſchon gegenwaͤrtige Schaam, ein unerklaͤrlicher Wider⸗ wille, uͤber einen Gegenſtand dieſer Art ſich zu aͤußern, und ſo verſchwieg ſie dieſen wichtigen umſtand ganz und gar, nahm ſich indeſſen vor, ſich mit dem Pater Criſtoforo zuerſt daruͤber zu verſtaͤndigen. Wie fuhr ſie aber vor
Schrecken zuſammen, als ſie nach ihm fragte/ und zur Ant⸗
wort erhielt, er ſey nicht mehr im Kloſter, ſey nach einem
entfernten, ſehr entfernten Orte der Gott weiß wie heiße,
geſchickt worden!
d„und Renzo?“ fragte Agneſe. „Der iſt in Sicherheit, nicht wahreu entgegnete Lu⸗ cig haſtig. B E KN n 23 „„Das iſt gewiß, denn Alle ſagen's. Es kam Nachricht an, daß er hinuͤber in's bergamaskiſche Land gekommen. Den Ortt ſelber aber, wo er ſich eigentlich aufhaͤlt, weiß Keiner zu nennen, und bis dieſe Stunde hat er noch nichts von ſich hoͤren laſſen. Ich denk' mir, es hat ſich bis jetzt noch kein Mittel dazu gefunden./
„O wenn er nur geborgen iſt, ſo ſey dem Herrn da⸗
fuͤr gedankt!“ ſprach Lucia, und griff zu einem andern Ge⸗ ſpraͤche. Dieſes aber ward von einer unvermutheten Neu⸗ igkeit unterbrochen— die Erſcheinung des Kardinal Erzbiſchofs. 4
Aus der Kirche, wo wir ihn verlaſſen haben, zuruͤckge⸗ kehrt, erfuhr Borromeo vom uUngenannten Luciens gluͤckliche Ankunft. Man ging zu Tiſche, und der Bekehrte ſaß zur Rechten des Bekehrers; rings üüiher ein Kreis von Prie⸗ ſtern, welche an dem Gaſte ſich nicht ſatt ſehen konnten.


