Teil eines Werkes 
1. Theil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

307

entflammt; dabei ein Gang, der nicht bloß muͤhſam durch die Laſt, ſondern ſchwer ſich fortſchleppend, Als waͤren die Glieder zerquetſcht und gebrochen. Der Mann trug mit Muͤhe einen maͤchtigen Mehlſack auf der Schulter; dieſer hatte hin und wieder Loͤcher, und ließ bei jedem Anſtoß, bei jedem Schwanken des Gleichgewichtes eine Handvoll herausgleiten. Noch uͤbler aber machte ſich die Geſtalt der Frauz ein dicker unverhaͤltnißmaͤßiger Leib, zwei ausgebrei⸗ tete Arme, die ihn nur mit Anſtrengung zu unterſtuͤtzen ſchienen, und zweien gebogenen Eimerhenkeln glichen; un⸗ ten zeigten ſich zwei Fuͤße, bis zum Knie entbloͤßt, welche taumelnd ſich vorwaͤrts bewegten. Renzo ſah genauer hin, und erkannte in dem unfoͤrmlichen Leibe den Rock, welchen die Frau nach oben umgeſchlagen hielt; er war mit Mehl gefuͤllt, ſo viel er nur faſſen konnte, und wohl noch ein wenig druͤber; daher hin und wieder etwas davon, wie ein weißer Staub, fort flog. Der Knabe trug auf dem Kopfe mit beiden Haͤnden einen Flechtkorb, voll von Brodten; da er aber in der Laͤnge der Fuͤße gegen ſeine Eltern zu kurz kam, blieb er allmaͤhlig hinter ihnen zuruͤck, und wenn er dann zu laufen anfing, um ſie wieder einzuholen, gerieth der Korb aus ſeiner Lage, und einige Brodte ſielen zur Erde.

Wenn Du noch eins fallen laͤßt, unnuͤtzer Schlin⸗ gel! ſagte die Mutter, und knirſchte ihm mit den Zaͤh⸗ nen zu.

Ich laſſ' ſie nicht fallen; ſie fallen von ſelbſt, ant⸗ wortete der Junge.Wie ſoll ich's anfangen?

Dein Gluͤck, daß ich die Haͤnde nicht frei habe⸗ ſagte die Frau, indem ſie mit den Faͤuſten eine Bewegung machte, als verſetzte ſie dem armen Schelm einen Hieb; bei

I. 21