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„Lieber Freund, es giebt der Kloͤſter in Mailand mehr als eins; Ihr muͤßtet mir genauer angeyen koͤnnen, wel⸗ ches Ihr eigentlich ſucht.”“
Renzo zog alſo aus dem Buſen den Brief des Paters Criſtoforo hervor, und zeigte ihn dem Manne. Dieſer las die Aufſchrift:„Am Thor gegen Morgen,“ gab ihm zuruͤck, und ſagte:„Habt gut Gluͤck, junger Menſch! Das Kloſter, ſo Ihr ſuchet, iſt nicht eben weit von hier. Nehmt den kleinen Weg da zur Linken; es iſt ein Quer⸗ weg durch's Feld; nach einiger Zeit werdet Ihr ſeitwaͤrts auf ein langes niedriges Gebaͤude ſtoßen, das iſt das Kran⸗ kenhaus. Haltet Euch friſch weg an den Graben, der ſich herum zieht, ſo kommt Ihr an das Thor gegen Morgen. Da tretet Ihr hinein, und nach drei⸗ oder vierhundert Schritten thut ſich Euch ein Platz mit huͤbſchen Ulmen auf; dort iſt das Kloſter; verfehlen laͤßt ſich's da nicht. Gott mit Euch, guter Junge!“— Er begleitete die letz⸗ ten Worte mit einer freundlichen Bewegung der Hand, und entfernte ſich.
Renzo ſtand uͤber die feine Art der Staͤdter, gegen die Derbheit der Landleute verglichen, erſtaunt und erbaut da; er wußte nicht, daß es ein ungewoͤhnlicher Tag war, ein Tag, an welchem die Maͤntel ſich vor den Jacken er⸗ niedrigten. So ſchlug er denn den angezeigten Weg ein, und gelangte an das Thor gegen Morgen. Indeſſen muß ſich der Leſer bei dieſem Namen nicht die Bilder, die jetzt damit verbunden, in den Kopf kommen laſſen; die breite gerade Straße draußen, an deren Seite ſich Pappelreihen hinziehen; der geraͤumige Durchgang zwiſchen zweien Bau⸗ ten, deren Anfang wenigſtens viel verſpricht; die beiden


