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Don Rodrigo's zweite Rathspflege betraf Lucien's Ver⸗ lobten. Er hatte ſich einſtweilen von ihr fortbegeben; wie ließ es ſich machen, daß er nie mehr in ihre Naͤhe kaͤme, und keinen Fuß wieder in's Dorf ſetzte? Don Rodrigo faßte den Vorſatz, Nachrichten von Drohungen und Ver⸗ folgungen unter die Leute gelangen zu laſſen; durch irgend einen Freund wuͤrde Renzo ſie zu hoͤren bekommen, und ſich die Luſt, in dieſe Gegend wieder zuruͤck zu kehren, vergehen laſſen. Der ſicherſte Weg aber, dachte er, waͤre, wenn man ein Mittel ausfindig machte, um ihn zur Flucht uͤber die Grenzen des Staates zu bringen. Um indeſſen damit zu Stande zu kommen, ſah er ein, konnte ihm die Gerech⸗ tigkeit weit nachdruͤcklicher als die Gewalt dienen: man koͤnnte, zum Beiſpiel, dem Verſuch im Pfarrhauſe eine an⸗ dere Farbe geben, koͤnnte ihn als einen Angriff, als eine aufruͤhreriſche Handlung darſtellen, und mit Huͤlfe des Doktors dem Stadtvogt beibringen, das ſey ein Fall, wel⸗ cher gegen Renzo einen tuͤchtigen Verhaftsbefehl noͤthig mache. Zu gleicher Zeit aber empfand der planvolle Mann, es komme nicht ihm ſelbſt zu, in dieſem unſaubren Ge⸗ ſchaͤfte eine perſoͤnliche Rolle zu ſpielen; ohne ſich alſo weiter den Kopf daruͤber zu zerbrechen, ward er mit ſich einig, er wolle dem Doktor Knotenhauer, ſo viel als noͤ⸗ thig, um ihm ſeinen Wunſch begreiflich zu machen, ſich eroͤffnen.—„Der Verordnungen giebt's ſo viele,“ dachte er,„und der Doktor iſt keine Gans; irgend etwas, das in meiner Anlegenheit ſich thun laͤßt, wird er doch auffinden,
irgend einen verwickelten Handel, um ihn dem lumpigen
Schuft an den Kopf zu werfen; haut er mir dieſen Kno⸗ ten nicht durch, ſo haͤng' ich ihm einen andern Namen I. 20


