— 289— ſen, das Verſchwinden dreier Menſchen aus einem Dorfe ein ſo außerordentliches Ereigniß, daß natuͤrlich, aus Theil⸗ nahme ſowohl als aus Neugier, vielfache, lebhafte und fortwaͤhrende Unterſuchungen angeſtellt wurden. Auf der andern Seite war die Zahl derer, die darum wußten, zu groß, als daß ſie Alle, wie einſtimmig, von Allem geſchwie⸗ gen haͤtten. Perpetua konnte den Fuß nicht uͤber die Schwelle ſetzen, ohne daß der Eine oder der Andere uͤber ſie herſiel, um ſich ſagen zu laſſen, wer eigentlich ihren Herrn ſo uͤber alle Maßen in Furcht geſetzt habe; lief aber die Haushaͤlterin alle Umſtaͤnde des Vorgefallenen durch, und ging ihr ein Licht auf, wie Agneſe ihr ſo liſtig einen blauen Dunſt vorgemacht, ſo empfand ſie uͤber dieſe Falſchheit eine ſolchen Aerger, daß ſie durchaus das Be⸗ duͤrfniß fuͤhlte, ihrem gekraͤnkten Herzen ein wenig Luft
zu machen. Freilich beklagte ſie ſich nicht bei'm Dritten
oder Vierten uͤber den Pfiff, mittelſt deſſen ihr etwas weiß gemacht worden; uͤber dieſen Punkt ließ ſie ſich nicht her⸗ aus; der Ueberfall aber, womit man auf ihren Herren losgegangen, der konnte nicht gaͤnzlich unter Stillſchwei⸗ gen bei ihr wegkommen, und hauptſaͤchlich, daß ein ſol⸗ cher Ueberfall von dem ſanften Maͤdchen, von dem recht⸗ lichen jungen Manne, von der ſonſt ſo guten Wittwe verabredet und verſucht worden. Don Abbondio mochte immerhin entſchloſſen ihr befehlen, oder herzlich ſie bit⸗ ten, ſich nichts verlauten zu laſſen; ſie mochte ihm im⸗ merhin wiederholen, es ſey uͤberfluͤſſig, ihr eine ſo klare und natuͤrliche Vorſicht eintrichtern zu wollen; bei dem Alllen befand ſich ein ſo großes Geheimniß im Herzen der guten Frau, wie in einem alten ſchlechtgebaͤnderten Faſſe I. 19


