muß, um Schilf und Zweige, die er im Drange der Le⸗ bensangſt umklammert hatte, fahren zu laſſen.
Bald nach dem Bekenntniſſe war Gertrude zur Lehre⸗ rin der weiblichen Zoͤglinge beſtimmt worden; man denke nun, wie ſich die jungen Maͤdchen unter einer ſolchen Zuchtmeiſterin befinden mußten. Die ehemaligen Gefaͤhr⸗ tinnen hatten das Kloſter alle verlaſſen, ſie dagegen alle Leidenſchaften jener Zeit behalten, und auf eine oder die andere Weiſe mußten die Schuͤlerinnen das Gewicht der⸗ ſelben empfinden. Kam es ihr in den Sinn, daß viele unter denſelben fuͤr die Lebensweiſe beſtimmt waren, deren Ausſicht ſie fuͤr immer hatte aufgeben muͤſſen, ſo hegte ſie gegen die armen Maͤdchen einen unuͤberwindlichen Groll, bisweilen wohl auch eine Art von Nachſucht; ſie hielt ſie 3 unter ſtrenger Ruthe, behandelte ſie mit rauher Zucht, und ließ ſie die Freuden, welche ſie dereinſt in der Welt genießen ſollten, zum Voraus bezahlen. Wer es in ſolchen Augenblicken vernommen haͤtte, mit welcher ſchulmeiſterli⸗ chen Aergerhaftigkeit ſie um jeder kleinen Uebereilung wil⸗ len ſie anſchrie, der haͤtte ſie fuͤr eine Frau von wilder und ungeſtuͤmer Gottſeligkeit gehalten. Zu andrer Zeit brach derſelbe Abſcheu vor dem Kloſter, vor Nonnenſitte
und Gehorſam in Anfaͤllen einer ganz entgegengeſetzten Laune hervor. Dann ertrug ſie nicht bloß die laͤrmenvolle ungebundenheit ihrer Schuͤlerinnen, ſie forderte ſie ſelbſt dazu auf; ſie miſchte ſich unter ihre Spiele, und ſuchte ſie mit einem noch ausgelaſſeneren Geiſt zu beſeelen; ſie nahm an ihren Unterredungen Theil, und fuͤhrte ſie uͤber die Ab⸗ ſichten, womit ſie dieſelben begonnen, weit hinaus. Wenn Eine ein Wort vorbrachte, welches die Mutter Aebtiſſin im


