Teil eines Werkes 
1. Theil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 262—

ſoll, wird Dir hundert Fragen uͤber Deinen Beruf vorle⸗ gen; ob Du Dich aus freiem Willen dazu entſchloſſen, warum, auf welche Weiſe, und was weiß ich? Wenn Du bei'm Antworten zauderſt, ſo wird er Dich wer weiß wie lange an der Angel zappeln laſſen. Das wuͤrde Dir denn hoͤchſt laͤſtig werden, wuͤrde Dich bis zur Ohnmacht quaͤ⸗ len; es koͤnnte aber auch ein andres, weit ernſteres Ungluͤck daraus entſtehen. Nach all den oͤffentlichen Erklaͤrungen, die bereits geſchehen, wuͤrde das geringſte Schwanken, wel⸗ ches an Dir bemerkt wird, meine Ehre in Gefahr bringen, wuͤrde die Leute glauben laſſen, daß ich einen Gedanken, den Du etwa fluͤchtig hingeworfen, fuͤr einen feſten Ent⸗ ſchluß genommen habe, daß ich mit Gewalt auf Dich ein⸗ geſtuͤrmt, und wohl gar... was weiß ich? In dieſem Fall wuͤrde ich nothgedrungen zwiſchen zweien hoͤchſt un⸗ angenehmen Auswegen waͤhlen muͤſſen; entweder muͤßt' ich zugeben, daß die Welt ſich von meinen haͤuslichen Verhaͤlt⸗ niſſen einen ſehr widerwaͤrtigen Begriff macht— ein Aus⸗ weg, welcher ſich durchaus mit dem, was ich mir ſelbſt ſchuldig bin, nicht vertraͤgt, oder ich muͤßte den wahren Beweggrund deines Entſchluſſes vor aller Leute Augen ent⸗ huͤllen, und...“

Hier aber ward er gewahr, daß Gertrudens Geſicht von flammender Schaam gluͤhte; ihre Augen traten ſchwellend her⸗ vor, und das Geſicht zog ſich gleichſam zuſammen, wie die Blaͤtter einer Blume waͤhrend der ſchwuͤlen Hitze, welche dem Sturme vorhergeht. Er brach das Geſpraͤch ab, und nahm eine freundliche Miene an.

„Laß gut ſeyn,“ fuhr er fort, Maß gut ſeyn, es haͤngt Alles von Dir, von Deinem richtigen Urtheil ab. Ich