— 49—
wehrte ſich mit der etwas derben Sittſamkeit der Baͤuerin⸗ nen, bedeckte das Geſicht mit den Ellenbogen wie mit einem Schilde, ſenkte die Stirne, und runzelte ein wenig die langen ſchwarzen Augenbrauen, waͤhrend jedoch der Mund ſich zum Laͤcheln oͤffnete. Das ſchwarze jugendliche Haar, uͤber der Stirne durch einen zarten weißen Scheitel geſchieden, ſchlang ſich am Hinterkopfe in vielfachen Locken⸗ windungen, und war, wie es noch jetzt die Art der Mai⸗ laͤndiſchen Baͤuerinnen, mit einer Menge von langen Sil⸗ bernadeln geheftet, die rings in einem Kreiſe, wie die Strahlen eines Heiligenſcheines geſtellt, ſich reihten. Um den Hals trug ſie eine Schnur von Granaten, die mit goldenen Knoͤpfchen von Drahtarbeit abwechſelten; gewirkte Blumen ſchmuͤckten das Schnuͤrleibchen, waͤhrend die offe⸗ nen Naͤthe der Aermel durch ſchoͤne Baͤnder zuſammenge⸗ halten wurden; ein kurzes Roͤckchen von geſponnener Seide mit dichten und kleinen Falten, karmeſinfarbene Struͤmpfe, Pantoͤffelchen von geſtickter Seide. Was aber die Braut am Hochzeittage ganz beſonders ſchmuͤckte, war der Zauber, den alltaͤglichen Reiz einer beſcheidenen Schoͤnheit durch die verſchiedenen Gemuͤthsbewegungen, welche ſich auf ihrem Geſichte mahlten, geſteigert und verklaͤrt zu ſehen; die Freude des Herzens durch eine leichte Beſtuͤrzung ge⸗ daͤmpft, jener ſanfte Kummer, der ſich in der Miene einer Braut verraͤth, und ohne die Schoͤnheit zu entſtellen, ihr einen ganz eigenthuͤmlichen Ausdruck giebt.— Die kleine Bettina ſchlich ſich unter die Menge, trat zu Lucien hin, gab ihr ſchlau zu verſtehen, daß ſie ihr etwas zu vertrauen habe, und raunte ihr darauf ihr Woͤrtchen in's Ohr
„Ich geh' auf eine Minute hinaus, bin aber gleich
I. 4


