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Kaum hatte dieſes Wort durch das Gewuͤhl der ge⸗ waltthaͤtigen Vorſtellungen getoͤnt, ſo kehrten die beſſeren Gedanken, an welche des Juͤnglings Sinn gewoͤhnt war, zahlreich zuruͤck. Er gedachte der letzten Ermahnungen, die ſeine Eltern ihm auf dem Todbette gegeben, er dachte an Gott, an die Jungfrau und die Heiligen, er erinnerte ſich des Troſtes, welchen das Bewußtſeyn der Schuldlo⸗ ſigkeit ihm ſo oft gewaͤhrt, des Schauders, den er ſo oft bei der Erzaͤhlung eines Mordes empfunden; mit Schrecken erwachte er aus dem blutigen Traume, mit Gewiſſensbiſſen, zugleich aber auch mit einer Art von Freude, daß er das Entſetzliche nur gedacht, nicht begangen. Aber der Ge⸗ danke an Lucia, wie manchen andern Gedanken rief er hervor! So viele Hoffnungen, ſo viele Verſprechen, ein Tag, nach welchem man ſo geſeufzt, eine Zukunft, die man ſo liebeſelig herbei gewuͤnſcht und ſo zuverlaͤſſig er⸗ wartet hatte! Und wie, mit welchen Worten ſollte er ihr eine ſolche Neuigkeit verkuͤnden? Zu welchem Mittel ſeine Zuflucht nehmen? Auf welche Weiſe zu ihrem Beſitz ge⸗ langen, ohne der Gewalt des maͤchtigen Widerſachers zu
erliegen? Zu gleicher Zeit aber flog ihm, wenn auch nicht
ein eigentlicher Argwohn, doch ein peinlicher Schatten⸗ hauch mehrmals durch den Sinn. Don Rodrigo's liſtige Gewaltthaͤtigkeit konnte nur von einer gemeinen Leiden⸗ ſchaft fuͤr Lucien herruͤhren. und Lucia? Daß ſie ihm auch nur einen Schimmer von Gelegenheit, auch nur den unbedeutendſten Schmeichelwink gegeben habe, war kein Gedanke, der in Renzo's Seele einen Augenblick weilen konnte. Aber wußte ſie darum? Konnte der Frevler die ehrloſe Leidenſchaft gefaßt haben, ohne daß ſie etwas davon


