Teil eines Werkes 
1. Theil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 32—,

ſeine naͤchtlichen Plaͤne noch einmal durch, hielt ſich ſorg⸗ ſam bei jedem einzelnen auf, ordnete ſie paſſender, erhob ſich und erwartete Renzo mit Furcht und Ungeduld zu⸗ gleich..

Lorenzo— oder wie Jedermann ihn nannte, Renzo— ließ nicht lange auf ſich warten. Kaum ſchien es ihm Zeit, ſich ohne Unbeſcheidenheit beim Pfarrer einfinden zu koͤnnen, ſo begab er ſich nach dem Hauſe deſſelben mit der froͤhlichen Eile eines zwanzigjaͤhrigen jungen Mannes, wel⸗ cher ſich an dem naͤmlichen Tage mit der Geliebten ſeines Herzens zu vermaͤhlen gedenkt. Seit ſeinen Juͤnglingsjah⸗ ren ſtand Renzo ohne Eltern da, und gewann ſeinen Un⸗ terhalt durch die Seidenſpinnerei, die in ſeiner Familie, ſo zu ſagen, erblich war; in vergangenen Zeiten ein ſehr ein⸗ traͤgliches Geſchaͤft, heutzutage im Verfall, doch nicht in

dem Grade, daß ein geſchickter Arbeiter ſich nicht noch im⸗ mer ſein anſtaͤndiges Brod damit erwerben koͤnnte. Die Arbeit nahm allerdings von Tag zu Tage immer bedenkli⸗ cher ab; doch die fortwaͤhrende Auswanderung der Arbei⸗ ter, die durch Verſprechungen, durch Vorrechte und reichen

— Tagelohn ſich nach den benachbarten Staaten locken ließen, war die Urſache, daß es auch denen, welche im Lande blie⸗ ben, keinesweges daran fehlte. Ueberdieß beſaß Renzo ein kleines Landgut, welches er bearbeiten ließ, oder zur Zeit, da die Seidenſpinnerei ihm Muße geſtattete, ſelbſt zu bear⸗ beiten pflegte, ſo daß man ihn bei ſeinem Stande wohlha⸗ bend nennen konnte. Obgleich nun dieſes Jahr noch duͤrf⸗ tiger als die vorhergehenden ausgefallen, und ſich ſchon eine eigentliche Theuerung bemerkbar machte, war Renzo dennoch hinlaͤnglich mit Vorrath verſehen; ſeit er die Au⸗