— 29—
„Willſt Du ſchweigen?“ rief Don Abbondio.„Es iſt gerade jetzt Zeit zu ſolchen Lumpereien““
„Genug, Sie werden die Nacht daruͤber nachdenken. Unterdeſſen aber thun Sie Sich nicht ſelber weh, und bringen Sie Sich nicht um die Geſundheit. Eſſen Sie einen Biſſen.“
„Ich werde dran denken,“ entgegnete der Pfarrer muͤrriſch,„ich werde dran denken, ich habe druͤber nachzu⸗ denken. Ich genieße nichts,“ ſagte er, indem er aufſtand, „nichts; der Kopf ſteht mir nicht dazu. Ich weiß auch, daß ich druͤber nachzudenken habe. Aber mir, mir mußte es einfallen!“
„Nehmen Sie wenigſtens hier das Schluͤckchen noch,“ ſagte Perpetua, und kredenzte ihm ein zweites Glas.„Sie wiſſen, das bringt Ihnen immer den Magen wieder in Ordnung./ 1
„Ei, ich brauch' ein andres Pflaſter, ein ganz anderes Pflaſter!“
Bei dieſen Worten nahm er das Licht, und brummte fortwaͤhrend vor ſich hin.„Eine lumpige Kleinigkeit! Einem ehrlichen Manne wie ich! Und wie wird's morgen gehen?“ Unter dieſen und aͤhnlichen Klagen zog er ſich in ſeine Schlafkammer zuruͤck. An der Schwelle ſtand er einen Augenblick ſtill, wandte ſich nach der Haushaͤlterin um, legte den Zeigefinger an die Lippe, und ſagte mit langſamer feierlicher Stimme:„Um's Himmels Willen, Perpetua!“ So ging er ſchlafen.


