— 17—
haupten zu koͤnnen. Allerdings konnten ſie den argloſen Mann, der ohne eigene Kraft und ſchuͤtzende Gunſt da⸗ ſtand, bei jedem Schritte fangen und quaͤlen; denn um Jeden, der einem Verbrechen zuvorkommen oder es beſtra⸗ fen moͤchte, in ihrer Gewalt zu haben, unterwarfen ſie jede Bewegung des einzelnen Buͤrgers dem willkuͤhrlichen Ausſpruch, in welchem tauſend obrigkeitliche Perſonen und Vollſtrecker der Geſetze ſich ihnen willfaͤhrig zeigten. Wer aber, bevor er eine Miſſethat beging, ſeine Maaß⸗ regeln getroffen hatte, um zur rechten Zeit ſich in ein Kloſter, in einen Pallaſt zu fluͤchten, wohin kein Haͤſcher jemals den Fuß zu ſetzen gewagt haͤtte; wer, ohne alle wei⸗ teren Schutzmittel, eine Livrei trug, um derenwillen die Eitelkeit und der Vortheil einer maͤchtigen Familie, eines ganzen Geſchlechtes, ſeine Vertheidigung auf ſich nehmen zu muͤſſen glaubte, der war bei allen ſeinen Handlungen frei, und durfte uͤber das Geſchrei der oͤffentlichen Ver⸗ ordnungen ſich luſtig machen. Von denjen“ n, welche ſolche Schandthaten veruͤben zu laſſen ſich erlaubten, gehoͤrten Einige durch ihre Geburt zu den vorrechtbehaup⸗ tenden Staͤnden, Andere hingen durch Schutzverhaͤltniß mit ihnen zuſammen; Dieſe wie Jene hielten durch Erzie⸗
hung, Eigennutz, Gewohnheit und Nachahmung die ein⸗
mal angenoͤmmenen Grundſaͤtze feſt, und huͤtheten ſich gar ſehr, ſie eines Stuͤck Papieres wegen, das an den Stra⸗ ßenecken angiheftet hing, zu verletzen. Wenn nun auch die Menſchen, welche die unmittelbare Ausfuͤhrung uͤber ſich nahmen, unternehmend wie Helden, gehorſam wie Moͤnche und ergeben wie Maͤrtyrer geweſen waͤren, ſo häͤtten ſie dennoch eigentlich nichts durchſetzen koͤnnen; ſie
I.. 2


