—
2
4 Nacht von den Bravi nichts weiter hoͤre, als vorſaͤtzliche
Verwundungen, Raub, Mord und Miſeethaten aller Art,“ ſollten die furchtbarſten Huͤlfsquellen einer ſtrengen Ge⸗ rechtigkeitsliebe in Thaͤtigkeit geſetzt werden.
Anderer Meinung war ſein Nachfolger, Don Pietro Enriquez de Acevedo; ſein Befehl vom fuͤnften Dezem⸗ ber des Jahres 1600 erklaͤrte in ſtarken, klug gewaͤhlten Wor⸗ ten„den feſten Entſchluß, mit aller Strenge, durchaus keine Hoffnung auf nachgebende Milde geſtattend, die Zunft der Bravi gaͤnzlich zu vertilgen.“ Acevedo ſcheint indeſſen ſeinen Vorſatz in Mailand weder mit der Willenskraft, noch mit der Schlauheit verfolgt zu haben, mit welcher er politiſche Kabalen einzuleiten, und ſeinem großen Feinde, Heinrich dem Vierten von Frankreich, Widerſacher zu er⸗ wecken wußte. Die Geſchichte bezeugt, wie ſeine liſtige Gewandtheit es ſo weit trieb, den Herzog von Savoyen, den er um mehr als Eine Stadt brachte, gegen jenen Koͤ⸗ nig zu bewaffnen; wie er den Herzog von Biron durch gluͤckliche Ueberredungskunſt zur Verſchwoͤrung verleitete, bis der verblendete Empoͤrer den Kopf verlor; was aber die verderbliche Brut der Bravi betrifft, ſo gedieh ſie und ver⸗ mehrte ſich ununterdruͤckt von Jahr zu Jahr. An ihre Ausrottung dachte endlich Don Juan de Mendoza, gleich⸗ falls Statthalter von Mailand, in vollem Ernſte. In dic⸗ ſer Abſicht ſchickte er den koͤniglichen Druckern Pandolfo und Marco Tullio Malateſti die herkoͤmmliche Verordnung, verbeſſert und erweitert, zu, damit ſie dieſelbe zur Vertilgung der Bravi oͤffentlich bekannt machten. Deſſenungeachtet lebten dieſe Boͤſewichter unausrottbar fort, um im Jahre 1618 das herbere Drohwort des Herzogs von Feria, Don.


