Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Schloss Hardegsen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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Einnahme vor Hardegſen beigeſtanden haben, mit dem Fluche lohnt. Werfet dem habſüchtigen Erzbiſchofe etwas von der Beute vor, darauf lauert er nur, und er wird Euch der Kirche Segen dafür ſpenden!

Meine Unterthanen! lachte Otto mit Hohn, da

er ſich der Stimmung ſeiner Ritter bewußt war;ſie

ſollen mir nicht gehorchen? Hal durch Furcht will ich ſie zum Gehorſam zwingen, die Pfaffen will ich aus dem Lande jagen, die es wagen, in einer Kirche meines Herzog⸗ thums den Bann zu verkündigen!

Er befahl ſogleich, ein landesherrliches Ausſchreiben zu erlaſſen, worin ein Jeder mit Tod oder Kerker bedroht wurde, der dem Bannſtrahle des Erzbiſchofs von Mainz irgend Gehör gebe, oder Freude daran zeige.

Sein Blut war aber doch kochend geworden und wollte abgekühlt ſein. Er beſtieg ſein Pferd und ſprengte wild durch Feld und Anger, als hielte er eine böſe Jagd; der Trotz gegen den Erzbiſchof trieb ihn zu einer grauſamen Luſt, womit er Saaten niederritt, Heerden auseinander⸗ ſcheuchte, fluchte und lachte. Erſt als er ſich an den Ge⸗ danken gewöhnt hatte, trat eine beſonnenere Stimmung bei ihm ein. Er gedachte der Braunſchweiger, die von dem Vorfalle Veranlaſſung nehmen könnten, gegen ihn muthiger, wol gar mit geiſtlichem Rückhalte aufzutreten, er wollte ſelber hinüber, aber die Gegenwart im eigenen Lande ſchien ihm ebenſo nothwendig zu ſein, um durch Furcht die erſte Wirkung des Bannſtrahles zu dämpfen. Er dachte daran, ein großes Turnier auszuſchreiben und ſich am Zuſtrömen der Ritter zu überzeugen, daß er über den Erzbiſchof lachen