Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Schloss Hardegsen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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könne. Das waren die erſten Folgen, welche das Er⸗ eigniß auf des Herzogs äußeres Benehmen und innere Stimmungen hatte.

Tiefer und nachhaltiger, als in das Schloß Hardegſen, ſchlug der kirchliche Blitz in das benachbarte Harſte ein; während er dort nur flüchtig betäubte und dann zur Ver⸗ leugnung aller Furcht aufregte, übte er hier eine wahrhaft zerſchmetternde Wirkung aus.

Margarethe hatte bereits unter dem Treiben des Her⸗ zogs vor Hardegſen und den Nachrichten über das Schickſal der Familie von Roſtorf viel gelitten. Der freche Raub, der ſo unmittelbar in ihrer Nähe an Leben und Eigenthum einer friedlichen, ohnehin durch häusliches Unglück ſchwer gebeugten Familie verübt war, hatte ihr Herz erſchüttert, ihrem Auge viele Thränen gekoſtet und ſie täglich in die Kapelle getrieben, um auf den Knieen Gott um Vergebung anzuflehen; ſie hatte Klöſter und Altäre mit reichen Sühn⸗ opfern bedacht, Meſſen leſen und ſich heimlich durch Hen⸗ ricus erkundigen laſſen, ob ſie nicht im Stande ſein könne, das ſchreckliche Loos des alten, geflüchteten Ehepaars zu

erleichtern. Als ſie deren ſtilles Begräbniß in Sanct Pauli, die treue Hingebung des Sohnes Idan erfuhr, da war ihr Schmerz grenzenlos. Sie fürchtete Otto's Wiederbegegnung, da ſie ihm keine Duldung mehr zeigen konnte, ſie ließ ihn auf Hardegſen wirthſchaften und ſich am Raube erfreuen. Jetzt aber ſchlug der Bannſtrahl, der den Gemahl, den Vater ihres Sohnes, traf, zerſchmetternd in ihr frommes Ge⸗ müth; als ſie ſtarr und bewegungslos die Formel des Fluch⸗ ſpruches las, und an die Stelle kam, daß Weib und Sohn