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„Er iſt der Teufel ſelbſt“— meinte Steinberg—„er will Euch foppen in der Geſtalt des Brudermörders, der ihm ſicher iſt. Prüfet ihn lieber erſt, laßt ihn verſuchsweiſe hängen oder das Sacrament nehmen.“—
„Poſſen“— lachte Otto—„ob er hieb⸗ und ſtichfeſt iſt, will ich bald prüfen, wenn ich den Göttingern über den Hals komme. Wenn wir in Hardegſen uns ausgeruht haben, werde ich nach dem Bollrutz aufbrechen.“
So war Chriſtoph's Schickſal durch ſeinen frivolen Muth und ſeine luſtige Gleichgültigkeit gegen die Ereigniſſe ſchnell vor dem Herzoge zu ſeinem Gunſten gewendet.
Der Uebermuth Otto's auf Hardegſen und die Sicher⸗ heit, welche ihm die Vertreibung der Roſtorfer und die da⸗ durch erregte Furcht vor ſeiner Gewalt im Lande gab, ſollte aber einen unvermutheten Stoß erhalten. Das Pfingſtfeſt war nahe und Otto ging mit dem Gedanken um, das Feſt, auf Olga's immer ſehnlicher gewordenes, briefliches Ver⸗ langen, zu Wolfenbüttel zu begehen; Hans von Schwiecheldt war nach Liebenburg und von da nach der Harzburg zu⸗ rückgekehrt, die anderen braunſchweigiſchen Ritter mahnten an die Heimkehr; Steinberg hielt bei dem Herzoge aus, da er demſelben die Stelle des gefallenen und begrabenen Breido erſetzen mußte, den Otto recht oft vermißte.
Der Himmel blaute wolkenlos auf die lachenden grünen Felder und Forſten nieder, Niemand dachte an ein Unge⸗ witter und dennoch fuhr ein Blitzſtrahl aus blauer Luft auf den Beſitzer von Hardegſen herab, der das ganze Land erſchütterte. Der Bannſtrahl der Kirche, ausgeſchleudert vom Erzbiſchof zu Mainz, zuckte in zerſchmetternder Abſicht


